Traurig sein
Traurig sein – das zu sein, ist kein Wunder in dieser Welt. Ein mittlerweile jahrelanger Angriffskrieg durch Russland gegen die Ukraine. Angriffe der USA zusammen mit Saudi-Arabien und Israel gegen den Iran …
In meinen Augen ist das nur falsch und macht mir Angst. Große Angst. Dabei rückt die Gesellschaft nicht nur hier in Deutschland mehr und mehr nach rechts. Setzt damit die Demokratie aufs Spiel. Unsere Freiheit. Ist das uns wirklich so egal?
Auch wenn alle demokratisch legitimierten Parteien einfach nur eine schlechte Politik machen und nicht wirklich die Menschen sehen, wäre eine autokratische Regierung absolut keine Verbesserung. Ist euch das wirklich klar, ihr, die ihr uns heute regiert? Und ist es euch bewusst, euch vielen Menschen, die ihr den Parteien der Regierung nicht mehr vertraut, die ihr nicht mehr wollt? Warum auch, sie machen keine wirklich gute Politik für uns Menschen! Sparvorhaben treffen die, die ohnehin kaum etwas haben. Feindbilder und Gegeneinander werden geschürt, anstatt den Zusammenhalt und die Solidarität zu fördern. Und die allermeisten Klimaziele sind zu Luftschlössern geworden.
Die Politik der letzten Jahrzehnte, die ohne Weitblick beispielsweise nicht in die Infrastruktur des Landes investiert hat, fällt uns auf die Füße. Kaputtgespart, bis nichts mehr geht.
Und nun soll es eine Politik der Rechten richten? Die CDU/CSU übertrifft in einem vorauseilenden Gehorsam die Vorstellungen der AfD, anstatt eigene wie christliche Akzente zu setzen. Und ohne wirklich echte und ehrliche Verantwortung zu übernehmen für die Politik der letzten Jahrzehnte.
Wir sind das, was wir denken
Aber sie sehen wahrscheinlich gar nicht die eigenen Fehler ihrer Politik! Wie auch, wenn es vor allem um den egoistischen Machterhalt geht und um wachsende Gewinne für die Wirtschaft?
Alle Volksparteien bekommen jetzt die Quittung – und auch eine Annäherung an faschistische Programme wird es nicht verhindern, dass die Menschen das Original wählen.
Warum übersehen wir so konsequent die Gefahren, die von anerkannt rechtsextrem eingestuften Menschen und einer Partei ausgeht? Und damit einhergehend die Bedrohung unserer Freiheit durch den Faschismus?
„Faschismus ist eine extreme, rechte politische Ideologie und Diktaturform, die durch Ultranationalismus, einen starken Führer und die Ablehnung von Demokratie geprägt ist.“
https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/das-junge-politik-lexikon/320277/faschismus/
Hören wir endlich auf, alle Sinne zu verschließen. Wenn der faschistische Präsident der USA die Forschung zum Klimawandel verbietet, Forschungsgrundlagen zerstören lässt und verhindert, dass Ergebnisse weiterhin veröffentlicht werden, ist das ein alarmierendes Signal, was uns erwartet. Nicht hinschauen, nicht hinhören und nichts sagen löst keine Probleme. Unwissenheit macht uns zu willenlosen Marionetten.
Aber anders kann es auch nicht funktionieren: dass die Masse der Menschen hinnimmt, dass die Industrie fossile Ressourcen der Erde bis zum allerletzten Tropfen ausbeutet.
Dagegen werden die möglichen Chancen der KI für die Wirtschaft gefeiert. Mitarbeiter beispielsweise bei Amazon werden entlassen, auch weil sie die künstliche Intelligenz nicht ausreichend genutzt haben. Wahrheit und Fälschung werden mit KI nicht mehr unterscheidbar. Was sollen wir da noch glauben?
Was haben wir von einer florierenden Wirtschaft, wenn die zivilisierte Welt weltweit in Schutt und Asche liegt? Die wenigen mit ihren Milliarden werden auch nicht überleben. Auch nicht, wenn sie sich einfrieren lassen.
Ist uns im Jetzt die Zukunft so egal? Nazis in Deutschland war es ja vollkommen gleich, dass mehr als sechs Millionen Menschen vergast und ermordet wurden. Wurden zu Mördern.
Von damals bis heute: Nicht wenige Menschen sind bereit, sich von ihren Arbeitgebern ausbeuten zu lassen. Und wenn sie es nicht machen, gibt es andere, die das zulassen. Mit manchmal zu wenig Verantwortung für den eigenen Körper und die Seele, mit kaum einem Gefühl für sich selbst und den Wert des Lebens an sich.
Andere sehnen sich nach einem starken Mann, haben sogar Mitleid mit dem obersten Faschisten der USA. Ich kann das nicht begreifen.
Wir Menschen sind auf Sicherheit bedacht. Das ist uns menschlichen Wesen wesentlich. Materielle Absicherung ist uns oft sehr wichtig. Unbekanntes verunsichert uns nicht selten. Je enger unser Blickfeld ist, desto leichter finden wir Sicherheit in klaren, abgegrenzten Strukturen. Die Vielfalt des Lebens birgt auch oftmals Unsicherheit in sich. Was wird morgen sein? Können wir Kraft schöpfen, in den Fragezeichen?
Auch die politische Zukunft und die Klimakatastrophe sorgen kaum für Zuversicht. Da ist es schwer, das Selbstvertrauen in sich zu finden, dass wir auf dem Weg sind, und sich dabei die Schritte in die Zukunft aus den Schritten entfalten, die wir hinter uns haben.
Das sind einige Ursachen dafür, warum Faschismus funktionieren kann.
Wir sind unser Glückes Schmied. Wenn wir nicht endlich begreifen, wie zunehmend wichtig es ist, über den eigenen Tellerrand zu blicken, ist alles zu spät. Wir sind das, was wir denken.
Keine Besserung in Sicht
Mit einer rechten Regierung wird es uns in der Gesamtheit nicht besser gehen. Ausgewiesene Menschen werden nicht mehr die Arbeit machen, die wir nicht selbst übernehmen wollen. Weil sie nicht mehr bei uns leben werden. Die Unzufriedenheit und Unfreiheit werden wachsen. Der Wohlstand wird sinken, und damit die Gefahr, dass die Machthaber mit Gewalt, mit kriegerischen Mitteln sich holen werden, was sie meinen zu benötigen. In die Rüstungsindustrie zu investieren, ist doch heute schon vorrangig. Krieg: Nichts anderes passiert doch gerade durch die USA, durch Russland – öffnen wir doch endlich die Augen, wir Menschen.
Oder ist es das, was bestimmte Menschen mit der Macht der Politik und des Überreichtums wollen? Oder wir Menschen überhaupt?
Aber selbst die oben skizzierten Punkte sind nichts gegen das Klimaproblem, das wir Menschen als Teufel geschaffen haben. Die extreme Hitze ist nur eine Wirkung, deren Folgen wir, und unsere nachfolgenden Generationen nicht nur für eine kurze Epoche an den Hacken haben werden. Das Wetter wird extremer, die Folgen wie Waldbrände, Überschwemmungen, steigende Meeresspiegel, Erosion und so weiter schüren unumkehrbar die Klimaveränderungen wie Öl im Feuer. Und das global: egal, wo wir hinschauen. Überlebensnotwendige Lebensmittel werden knapper, einfach weil das ökologische System, die Natur, nicht mehr funktionieren wird. Wer soll die Pflanzen bestäuben, wenn die Insekten ausgestorben sind?
Dass unsere Industrie mit chemischen Substanzen, deren Folgen in den allermeisten Fällen nicht untersucht sind, die landwirtschaftlichen Böden verseucht, um Nahrungsmittel zu produzieren, ist dauerhaft keine Lösung.
Wann endlich geht ein elementarer Ruck durch die Gesellschaft, steigen die Grünen auf die Barrikaden? Zusammen mit den Linken, den Christen, den anderen Religionen? Auch mit den Konservativen, die doch als Ziel den Erhalt, den Bestand unseres Lebens haben sollten. Und den Arbeitern. Gemeinsam mit der Jugend, den Fridays-for-Future-Aktivisten. Mit den Wissenschaftlern, den Klimaexperten, den Bauern und Ökologen. Hand in Hand mit den Friedenskämpfern und den Menschen, die Leib und Leben riskieren, um Flüchtlingen auf dem Weg in die Freiheit zu helfen.
Und mit den Frauen an einer Spitze. Und allen, die in den vergangenen Jahren für Gleichberechtigung einstanden: den Queeren, Lesben und Schwulen und allen dazwischen. Zusammen mit allen anderen Initiativen, die für das Leben einstehen.
Wann erkennen wir, dass Faschismus nur Zerstörung, am Ende allen Lebens, bedeuten und beschleunigen wird, der die Folgen unseres egozentrischen Kapitalistenlebens wie Zuckerwatte aussehen lassen wird?
Welche (Umwelt-)Probleme werden denn „nur“ gesehen, wenn der Präsident der USA der Idee verfällt, wegen der Luftverschmutzung durch die Waldbrände in Kanada die Steuern gegen Kanada zu erhöhen? Außer dass es darum geht, das Staatsvermögen zu mehren, um Krieg im Nahen Osten zu führen und später Grönland überfallen zu können.
Welche Probleme werden gelöst, wenn wir Menschen, die auf der Flucht sein müssen, für unsere hauseigenen und vorgelogenen Schwierigkeiten die Schuld in die Schuhe schieben? Schaltet nur kurz den Verstand ein: Es ist doch keiner freiwillig auf der Flucht, und mitnichten sind Asylsuchende für unsere Misere verantwortlich. Und keiner von den vielen Menschen ausländischer Herkunft, die bei und mit uns arbeiten, Steuern zahlen und leben.
Es ist einfach nur einfacher, immer und immer wieder Sündenböcke an die Wand zu stellen und zu erschießen. Wann bist du dran oder ich? Und außer, dass wir Menschen uns so dezimieren, löst es kein Problem der Menschheit wirklich.
Oder ist es einfach nur so? Ist das von der Natur so gewollt? Um es dann in ein paar Millionen Jahren besser zu machen? Das wäre dann fast tröstlich, bei all dem Menschenmist.
Aber ich bin mehr oder weniger vom Thema abgeschweift. All das oben Beschriebene ist eine Quelle einer tiefen Traurigkeit in mir. Eine weitere ist das persönliche Erleben, mich alleine zu fühlen in dieser Welt. Als Kind und junger Mensch fühlte ich mich schon alleingelassen. Mit meinen Gedanken und Gefühlen. Aber auch zusammen mit meiner Partnerin, der Liebe, die uns verbindet, sind wir alleine. In einer Welt, in der es kocht, die vor dem Überkochen steht.
Und mit dem Unvermögen, zu verstehen, warum die Welt so aus den Fugen geraten ist.
Alleine, mit der Angst, die Gefahren wie eine Dampfwalze auf uns zurollen zu sehen und hilflos zu sein.
Traug sein
Es ist zum Heulen. Denn die Klimakatastrophe fällt nicht vom Himmel. Schon 1975 gab es Veröffentlichungen, auch in den öffentlich zugänglichen Medien, dass sich die globale Temperatur exponentiell erhöhen wird. Ein Vergleich der Situation mit den damaligen Studien zeigt, dass der Worst Case eingetreten ist.
Und ich gehöre sehr wahrscheinlich zu einer der letzten Generationen, die im Wahnsinn der Gewinnmaximierung und des wirtschaftlichen Wachstums den Untergang der natürlichen und zivilisierten Welt verursacht hat.
Aber Traurigkeit ist auch gut. Trauern, mit der Trauer umgehen heißt, zu lernen, auch alles Traurige als einen Teil unseres Lebens anzuerkennen. Wir können das, was war, nicht mehr ändern, auch kein Lebensende. Nichts. Aber wir können lernen, es als Teil, der unser Leben verändert hat, anzuerkennen, um damit weiterzuleben und vielleicht auch, um darin wieder etwas neue Kraft zu finden. Es darf und soll nichts vergessen oder verdrängt werden.
Die Ursachen unserer Trauer wälzen alles um, lassen uns in Abgründe blicken, stellen das Leben auf den Kopf und rauben uns die Zukunft. Dennoch, auch sie gehören zum Leben. Und wir haben immer eine Chance, es „besser“ zu machen, auf unserem Weg. Bis zum letzten Atemzug.
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