Sind Menschen so dumm?
Menschen sind dumm, so schlau sie auch tun. Ich bin bestimmt auch nicht besonders klug, eher durchschnittlich. Ich nehme mich da also keineswegs aus oder stelle mich über andere. Aber dennoch scheint mir die Menschheit sehr dumm, besonders in Bezug auf ein zwischenmenschliches Miteinander. Und im Miteinander mit Menschen aus anderen Nationen, vom Miteinander mit Tieren und der Natur gar nicht erst zu sprechen.
Und die, die anders sind, denken und leben, die das System durchschauen – und es sind bestimmt mehr als wir glauben –, die Klugen, die werden kaum gesehen, denen wird viel zu selten zugehört.
Menschen, und insbesondere gerade auch Männer, meinen, etwas Besseres zu sein. Besser als andere Menschen. Nicht ein Teil der Natur. Nicht ein Teil des Lebens.
Rassismus ist tief im Denken verwurzelt. In jedem von uns lebt ein Anti, mehr oder weniger sind wir gerne dagegen. Als Antisemit nicht nur gegenüber dem jüdischen Volk. Gegen die Politik, gegen Frauen, gegen Ausländer und Ausländerinnen. Gegen die, die am Existenzminimum leben, gegen die Armen. Einfach gegen etwas Unbekanntes zu sein, ohne nachzudenken, mit Vorurteilen behaftet, ist dumm.
Wir erheben uns viel zu gerne und viel zu oft über andere. Über Kinder. Wir halten uns, als Erwachsene, mit unserer Erfahrung und unserem Wissen, für etwas viel Besseres als Kinder. Ihnen mangelt es doch an jeglicher Kenntnis, denken wir allzu oft. Die müssen doch erst noch lernen. Und schon ist das Problem da: Indem wir uns erheben, machen wir den anderen, machen wir die anderen kleiner und sehen sie nicht mehr wirklich.
Und so geht es weiter. Frauen, alte Menschen, Menschen aus anderen Kulturen – insbesondere wir weißen Männer erheben uns über sie. Erkennen das andere nicht an. Wir sind doch so schlau, meinen wir, und merken gar nicht, wie dumm wir sind.
Wir halten uns für normal. Weil wir arbeiten, weil wir unser Geld verdienen und eine Familie haben. Was viele machen, ist „normal“, glauben wir. Normalsein ist unsere Rechtfertigung.
Aber bei Menschen hört es nicht auf. Tiere und ihr Leben werden nicht wertgeschätzt. Außer bei einem Wal, der in der Ostsee schwer verletzt gestrandet ist, sich verirrt hat, ohne Kraft, sich zu befreien. Wir Menschen geben ihm einen Namen, wollen ihn – aus unserer Sicht des Menschen – befreien, aber können ihn nicht heilen. Er braucht einfach seine Zeit zum Sterben, aber das können wir nicht zulassen. Wir sind doch so tierlieb und müssen ihn retten. Und ihn begaffen in unserer grenzenlosen Neugier. Aber es lenkt auch großartig ab von dem ganzen Leid unter Menschen und Tieren, das wir tagtäglich verbreiten. Von den Meeren, die wir mit Kunststoff verseucht haben, wir Menschen. Wir Menschen sind zu dumm.
Wir Menschen sind zu dumm: Zetteln einen Angriffskrieg nach dem anderen an. Zerstören, um aufzubauen. Und wer nicht mitmacht, wird abgestraft und sanktioniert. Und merken nicht, schreien es nicht in die Welt hinaus, dass wir das Völkerrecht mit Füßen treten. Handeln nicht und klagen die kriminellen Kriegsverbrecher nicht an.
Da ist es doch einfacher, Lügen Glauben zu schenken.
Und wenn es manchen Menschen schlecht geht, und er oder sie nicht mehr arbeiten kann? Wir werten sie ab. Geben ihnen die Schuld. Wer arbeiten will, der findet Arbeit, wer nicht, ist ein Schmarotzer, der dem Staat auf der Tasche liegt, so denken viele. Dieses Denken wird bewusst verbreitet. Die wenigen, die im Sozialsystem vielleicht absahnen, werden als Begründung vorgeschoben, dass unser Sozialstaat ausgenützt wird. Aber die vielen, die Mehrheit, die einfach nicht so arbeiten können, wie wir es, in unserer auf Leistung ausgerichteten „normalen“ Gesellschaft, erwarten, werden nicht gesehen.
Die Menschen, die wenig verdienen und unattraktive Jobs annehmen müssen, werden, gerade im Verhältnis zu ihren Einkommen, mit Abgaben stärker belastet. Oft sind es Personen aus anderen Ländern. Für einen, der am Existenzminimum lebt, ist weniger viel. Und genau die Menschen werden ausgespielt gegen die, die noch weniger haben. Das ist dumm.
Wie klug wäre doch die Erkenntnis, dass es allen Menschen schlechter gehen kann. In null Komma nichts. Und dass nur sehr wenige vom Glück profitieren, in eine vermögende Familie hineingeboren zu sein. Und dass man kaum ein Milliardär wird, wenn man ehrlich arbeitet und andere Menschen und die Natur nicht ausnutzt.
Wie klug wäre es doch, einfach anzuerkennen, dass es vielfältige Gründe und Ursachen geben kann, die einen Menschen in Armut stürzen. Wie klug wäre es, alle Menschen mit einem bedingungslosen Grundeinkommen unbürokratisch abzusichern! Keiner bräuchte soziale Angst zu haben, und die allermeisten wären als Teil der Gesellschaft anerkannt.
Aber wir denken in Hierarchien. Wir vergleichen und bewerten. Werten ab. Und wir erkennen einfach nicht das Leid von den Armen der Armen. Sehen nicht hin und glauben in unserer deutschen Vermessenheit, dass uns das nicht passieren kann. Wie dumm das ist. Wie schnell kann einen das Schicksal treffen und in eine Not fallen lassen! Einen jeden von uns. Aber mit einer aufhalsten Schuld kann es keinen wirklich besser gehen.
Im Vergleich, in der Bewertung, glauben wir – ich meine dummerweise – unser Selbstbewusstsein zu finden.
Und alle Dinge und Sachen, die wir benötigen und herstellen, bekommen in der Marktwirtschaft einen Wert zugeordnet. Angebot und Nachfrage und die Verfügbarkeit der notwendigen Ressourcen, sowie der höchstmögliche Gewinn, sind Grundprinzipien im Denken der Menschen. Dieses Denken ist so fest in unserem Gehirn verankert, dass wir nicht anders können. Denn die Werte des Lebens zu sehen, den Wert der Natur und der ökologischen Vielfalt lässt sich aus einem wirtschaftlichen Blickwinkel kaum fassen. Diese findet kaum Berücksichtigung, außer vielleicht dort, wo durch Nichtbeachtung der Natur wirtschaftliche Einbußen entstehen. Das ist die Dummheit der Menschen in ihrer kapitalistischen Leistungsgesellschaft, die die Natur nahezu außen vorlässt.
Dumm ist es, weil wir viel zu kurz denken. Weil wir glauben, ohne ein Teil der Natur zu sein, überleben zu können. Und wir meinen, mit Geld alles erreichen zu können. Alles regeln. Und die Überreichen und die Reichen, die vermögend sein Wollenden und, wie es aussieht, alle Politiker scheinen mit alleine Geld glücklich zu sein, je mehr, desto besser. Blöd nur, dass wir sterblich sind und sterblich bleiben.
Ich finde das sehr erschreckend und es macht mich traurig: Geldgierige Politiker und Politikerinnen regieren uns in Deutschland. Aber sie regieren nicht wirklich für die Menschen unseres Landes. Das ist das Paradox der Demokratie: Wir wählen eine Regierung, die uns vertreten soll, aber sie vertritt nicht die Interessen der Wähler, nicht mal der Mehrheit. Da soll man nicht demokratiemüde werden und in Extremen auf eine Besserung hoffen, und dabei vergessen, dass dem nie so war.
Aber die Überreichen sind die eigentlichen „Strippenzieher“. Ein Posten in einem Energiekonzern und das große Geld winkt. Wie kann es sein, dass Politiker und Politikerinnen vor oder auch nach und sogar während ihrer Karriere in der Politik hoch dotierte Posten in der Wirtschaft angeboten bekommen und haben? Was qualifiziert einen Politiker? Die Fähigkeit, der Macht zu dienen, aber nicht die Fähigkeit, für die Menschen zu sorgen.
Die Umwelt hat keine Lobby, die Natur bezahlt nicht dafür, dass Klimaziele nur annähernd erreicht werden. Aber die Industrie, etwa Energiekonzerne, handelt genauso: Korrumpiert unsere Regierung. Unsere Minister und Ministerinnen benötigen Beratung und kaufen diese ein, entlassen dafür aber sogar Mitarbeiter:innen. Lobbyisten, als Berater und Beraterinnen, haben aber ihre eigenen Interessen, ja, sie schreiben ganze Gesetze ganz in ihrem Sinn.
Und alle Parteien machen mit, lassen sich darauf ein. Anstatt mit Tempolimit aus der Energiekrise, die auch durch unsinnige Kriege, den Kampf um Rohstoffe, entfacht wurde, aus der Not herauszufahren.
Dafür werden die Benzin- und Dieselsteuer zeitweilig gesenkt, wobei es sonnenklar ist, dass die Energiekonzerne die Differenz nicht vollständig an die Verbraucher weitergeben, sondern in ihre eigenen Taschen stecken werden. Wie es sich in der Vergangenheit zeigte, in der letzten Krise. Und weil es keine Übergewinnsteuer für die Milliardengewinne der Überreichen gibt. Wie dumm. Denn ein Verlust kann über Jahre als Verlustvortrag von den Steuern abgesetzt werden, aber extreme Gewinne versteuern will unsere Regierung nicht. Warum auch, als Vertreter der Überreichen?
Was wir versteuern, ist das Einkommen. Auch auf Güter und Arbeit erheben wir Steuern. Aber je mehr wir haben, umso weniger beteiligen wir uns mit Abgaben an der Finanzierung des Staates und des Gemeinwohls. Eigentum wird weit weniger versteuert, um die Reichen und Überreichen nicht zu belasten. Ihren Gewinn nicht zu schmälern. Da lassen sich unsere Politiker und Politikerinnen lieber erpressen und verkaufen uns das als Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen durch Abwanderung der Unternehmen und dem Verlust unseres Wohlstands.
Fällt es euch nicht auf: Die Regierung toppt in ihrer Unfähigkeit, für alle Menschen der Gesellschaft zu handeln, noch die letzte Regierung! Es wird immer schlimmer. Sehenden Auges regiert uns ein System, das die Demokratie schädigt, weil sich die Mehrheit der Menschen nicht gesehen, nicht gehört und nicht vertreten fühlt. Und wer wundert sich da, dass die populistischen Rechten gestärkt werden? Es ist dumm, dass die Menschen dahin getrieben werden, weil unsere CDU/CSU meint, all das aufhalten zu können, indem sie die AfD rechts überholt. Und nein: Die Wähler sind nicht dumm, weil sie die Rechten wählen. Sie sehen nur die Gefahr nicht – in Nebelkerzen verhüllt –, in der sich die Demokratie befindet.
Ich bin nicht besonders klug, aber ich denke so. Ich nehme diese Gefahr wahr. Warum tun es unsere Politiker nicht? Und die Überreichen: Sind sie dümmer als ich? Nein, bestimmt nicht! Aber sie sind käuflich und haben ihre Seele und ihr Gewissen preisgegeben.
Schon immer gab es sie, die, die sich über alles erhoben hatten. Pharaonen ließen monumentale Pyramiden bauen, als übergroße Grabmale. Im Schweiß und unter Qualen der Sklaven und Arbeiter, die dafür ausgenutzt wurden. Cäsar begab sich auf Feldzüge, um das römische Reich in ganz Europa auszuweiten. Der Sonnenkönig Frankreichs verarmte sein Volk für den Bau seiner Schlösser. Hitler wollte ein 3. Reich aufbauen mit dem Blut und dem Leben von Millionen Menschen, Juden, ungezählten Opfern unter Zivilisten und Soldaten. Trump scheint mit seinen Lügen und Kriegsverbrechen dem Wahnsinn verfallen zu sein. Und im Hintergrund ziehen Menschen wie Musk, Bezos und andere Milliardäre ihre Fäden, um mit ihrem Reichtum unsterblich zu werden.
Also gibt es das schon immer in der Menschheitsgeschichte: Menschen, die in ihrer Sucht nach Macht und der Gier nach Reichtum ihre Welt beherrschen wollen. Das ist nicht dumm, aus der Sicht dieser Menschen. Und die Werte, die sich so über unzählige Generationen in den Köpfen verfangen haben, kommen genau aus diesen und vielen anderen nicht immer nur größenwahnsinnigen Machenschaften der Männer. Männer, die meinen, sich alles kaufen zu können, oder noch schlimmer, nehmen können. Frauen als Sexobjekte und andere Menschen als Werkzeuge: früher Sklaven, heute Arbeiter. Und kein Menschenleben zählt. Menschen werden abgewertet, nur weil sie anders sind und weil sie so viel einfacher manipuliert und benutzt werden können. Das hat System.
In diesem Sinne werden wir hier in Deutschland von der CDU/CSU zusammen mit der SPD regiert. Das ist gar nicht dumm aus ihrer Sichtweise. Aber es ist dumm, wenn wir aus dem Blickwinkel der Natur, der Tier- und Pflanzenwelt, der ökologischen und klimatischen Systeme und auch mit den Augen der gesamten Menschheit, der Demokratie und unserer Erde schauen. Und das ist das Dilemma.
Links: Deutsche Antisemitismusdebatte – Darf man Antisemitismus mit Witz begegnen?
FUNFACTS – witzig, wichtig, richtig
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