Kann Gott helfen?

Niedersachsen

Kann Gott helfen? Kann uns Menschen der Glaube helfen? Und kann eine Intuition wie die evangelische Religion uns Menschen einen rechten Weg weisen? Und zwar, bei all den fundamentalen Problemen, in die wir Menschen, insbesondere in den vergangenen hundert Jahren, hineinmanövriert haben?

Gerade in Hinblick auf den Krieg gegen die Ukraine, gerade in Anbetracht der gewaltigen Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hamas. Aber noch weit herausfordernder, speziell auch in den so massiv deutlich werdenden Auswirkungen der Klimaveränderungen, der Klimakatastrophe. Kann das Thema Natur, Klima, Ökologie und wie wir Menschen durchdringen könnten, mit diesen Fragen unserer Zeit so umgehen lernen, dass das Leben, vornehmlich das Leben aller Lebewesen, der Pflanzen und Tierwelt, wieder in den Fokus des menschlichen Denkens gerät?

Kann sich die Kirche, zum Beispiel, in dem sie sich auf die Bibel beruft, hier eine deutliche Stimme sein, die die Sichtweise der Menschen insoweit verändert, dass es uns Menschen um weit mehr gehen muss, als darum, den Nachbarn zu bekämpfen, um unser eigenes Wohl zu erhalten, warum auch immer wir so denken?

Ich finde, wir benötigen eine, wie auch immer sie heißt, Intuition, in der sich immer mehr Menschen wiederfinden können, und die aus ihrer Geschichte, ihrem Weltbild eine Basis bietet, die die Menschen tief erreichen kann. Wenn eine Kirche sich wieder traut, wirklich Stellung zu beziehen, eine klare Haltung zu zeigen, die darauf abzielt, dass wir Menschen unsere Lebensgrundlage, die Erde, das Klima, die ökologischen Zusammenhänge nicht weiter zerstören, sondern erhalten, dann wäre das vielleicht eine Möglichkeit, etwas zu retten, was vermutlich nicht mehr zu heilen ist, wenn wir so weitermachen wie in den letzten hundert Jahren der Menschheitsgeschichte.

Dabei geht es mir nicht darum, etwas zu bewahren, konservativ an Glaubenskonstrukten festzuhalten, wie Zölibat, oder das Verbot von Abtreibung in der katholischen Kirche. Es geht darum, dass die Kirche, egal welche, beginnt, sich einer neuen Aufgabe zu widmen: dem Erhalt des Lebens. Ja, aber nicht durch Verbote, sondern durch das Verwirklichen von Zielen, in denen sich sehr viele Menschen, in ihrer Vielfalt, wiederfinden können.

Wir Menschen benötigen das: einen Glauben, der uns Kraft gibt, der uns leitet, der unserem Leben einen Sinn gibt, der darüber hinausgeht, nur in einem wirtschaftlichen Sinn zu funktionieren, reich an materiellen Dingen zu sein, oder uns mit Alkohol oder anderen Drogen abzulenken, von den Problematiken unserer Zeit, um die es wirklich geht.

Ich bin nicht wirklich bibelfest, die Zeit meines Konfirmandenunterrichts liegt Jahrzehnte zurück. Kirche und Glaube sind in meinem Leben kein wesentlicher Mittelpunkt. Ich glaube rational auch nicht, dass es an einem anderen Ort ein Wesen, einen Gott geben kann, der all unser Leben einmal erschaffen hat. Dies würde jeder biologischen und physikalischen Gesetzmäßigkeit widersprechen.

Auch dass Jesus auferstanden ist, und jetzt zur rechten Seite Gottes sitzt, dass es Teufel und Engel gibt, dass es eine Auferstehung nach dem Tode gibt – nein, das glaube ich nicht. Aber das ist meine persönliche Meinung und ich verstehe, dass eine größere Anzahl an Menschen für sich, für ihr Leben genau daran glauben. Denn es ist auch vollkommen unwichtig, ob es sein kann oder nicht, solange es den Menschen eine positive Kraft gibt, sich im Leben, mit all seinen Herausforderungen, wiederzufinden und Werte zu haben, warum wir leben.

Und dass ein Glaube an Gott eine immense Kraft haben kann, das steht außer Frage. Wir Menschen benötigen diese Kraft, um den Herausforderungen des Lebens entgegenzustehen. Nicht haltlos in einer Sinnlosigkeit zu versinken. Wenn die Kirchen genau das erkennen würden, dann könnte sich hier, in einer evangelischen Glaubensgemeinschaft, eine Kraft entwickeln, die es den Menschen ermöglicht, sich den Folgen ihres bisherigen Lebens entgegenzustellen. Etwa der Auswirkungen, der jetzt immer extremer werdenden Klimaveränderungen, der Konsequenzen, der schwindenden Ressourcen, der Folgen der Gewalt und dass mehr und mehr Menschen vor nicht mehr überlebensfähigen Bedingungen auf der Flucht sein werden.

Hier sehe ich die Chance der Kirche. Zu begreifen und zu sagen, worum es wirklich geht. Um ein gemeinsames Miteinander, in einer Vielfalt, in der wirklich ein jeder, sei es die Katze, der Fisch, die Schlange, der Mensch oder der Pinguin, sei es die Blume, der Baum oder die Pflanze, alle, ihren notwendigen Platz haben, den wir alle benötigen werden, um zu leben. 

Dabei ist dieser Gedanke gar nicht neu, wie die florale Deckenbemalung in Kirchen, wie die Lutherkirche in Apolda, verdeutlicht. 

Kaum ein Mensch wird bei dauerhaft über 40 Grad Celsius überlebensfähig sein. Kaum ein Lebewesen. Kein Vogel wird mehr zwitschern, wenn seine Nahrungsquelle wie Insekten verschwindet – und das ist massiv der Fall, das ist nicht ausgedacht. Und wenn wir alle so weitermachen wie bisher, dann nähern wir uns unaufhörlich den Kipppunkten, wo die ökologischen Puffer so weit versagen, dass das Leben, nicht nur für Menschen, ohne jede Chance sein wird.

Wir wissen also zwei Sachen: die Kraft des Glaubens und die mit aller Gewalt drohenden Folgen des Klimawandels, die wir aller Wahrscheinlichkeit nur noch herauszögern können.

Können wir also die Kraft des Glaubens, den Glauben an Gott, genau dafür nutzen? Bietet etwa die Bibel eine Grundlage dafür, wie wir sehr viele Menschen mitnehmen können, ihr Leben insofern umzukrempeln, dass eine Wirtschaftslobby, die Macht des Geldes, endlich etwas wirklich anderes entgegengesetzt wird? Dass den Menschen, der Gesellschaft, der Menschheit diese Kraft gibt? Kann Jesus, der sein Leben gegeben hat, ein Sinnbild dafür sein, dass wir Menschen endlich wieder ein Leben leben, das uns der Natur erneut näherbringt, ohne den technischen Fortschritt zu verteufeln?

Jesus hat Verantwortung übernommen, bis über seinen Tod hinaus, für sein Leben, für das Leben der Menschen seiner Zeit und der folgenden Epochen. In Verantwortung übernehmen sehe ich den Schlüssel überhaupt. Denn etwa die Klimakatastrophe ist eine Folge dessen, dass wir Menschen eben gerade nicht die Verantwortung übernommen haben, die wir hätten aufbringen müssen.

Wir haben andere Werte, hauptsächlich doch wirtschaftliche, aber auch ideelle, mit denen wir Menschen uns erheben, wie ein göttliches Wesen, über einfach alles. Sogar das so komplexe natürliche Gehirn soll jetzt, in Form künstlicher Intelligenz, übertroffen werden. Das Leben der Menschen bietet weitere Problemlösungen, um noch besser zu sein.

Ich bin nicht technikfeindlich, ich finde es beispielsweise faszinierend, wie eine durch künstliche Intelligenz gesteuerte Software, Fotos auf eine Art und Weise freistellen und bearbeiten kann. Das ist einfach toll. Aber nichts davon wird bleiben, wenn wir Menschen nicht unsere Werte ändern und aufhören, bei all dem genialen Erfindungsreichtum, die Welt, in der wir leben, zu zerstören.

Das heißt, bei all dem Genialen, was Menschen schaffen, müssen wir immer die Verantwortung dafür sehen und übernehmen, was dieses Fantastische an Folgen haben kann. Effekte, die wir so oft, wie auch die Geschichte zeigt, nicht ansatzweise abschätzen können. Denn sonst stünden wir jetzt nicht vor dem Dilemma der Klimakatastrophe.

Ist die Kirche dieser Aufgabe gewachsen? Kann Gott hier helfen? Glauben alleine wird nicht helfen, wenn dieser Glaube die Verantwortung auf andere überträgt, und sei es Jesus, sei es Gott. Und wir Menschen unsere Hände in den Schoß legen.

Nein, wir müssen, wie Jesus, gekreuzigt, im Angesicht des Todes, mit der Kraft der Liebe, Verantwortung für uns selbst übernehmen. Bis in den Tod. Wir müssen sagen und leben: Ja, ich übernehme Verantwortung für mein Leben. Das bedeutet, da ich nur in einer Gemeinschaft leben kann, dass ich auch Verantwortung übernehme, für meine Familie. Und weil meine Familie nicht von allem abgehoben leben kann, müssen wir Verantwortung übernehmen, in unserer Gemeinde, unserem Dorf, unserer Stadt, unserem Land, unseren Nachbarländern, unserer Erde.

Für das Leben aller, denn dieses Leben ist unsere Kraft, unser Sinn. So wie das Leben einer Mücke den Sinn hat, Nahrungsquelle zu sein, für das Leben der Vögel. Der Regenwald des Amazonas und nicht nur alle anderen Wälder binden Kohlendioxid, um die Erde nicht zu überhitzen. So wie so oft eine Mutter schon, bevor ihr Kind zur Welt kommt, Verantwortung für dieses neue Leben empfindet und lebt, so müssen wir uns von unserer Verantwortung für unser Handeln leiten lassen.

Ja, vielleicht kann Gott helfen, kann der Glaube uns Menschen helfen.

https://www.ekd.de/

https://www.baptisten.de/

0 Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar! Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Name und E-Mail-Adresse werden ausschließlich für diese Kommentarfunktion verwendet und nicht an Dritte weitergegeben.

Schreibe einen Kommentar