Die Macht der Gewalt ist nie eine Lösung

Berlin

Die Macht der Gewalt, Macht und Gewalt, sind nie eine Lösung für die Probleme zwischen Menschen. Und es ist schlimmer: Macht, Gewalt führen all zu oft nur zu einer Antwort: Die Macht, die mit Gewalt ihr vermeidliches Recht fordert.

Der weiße Mann, der meint, im Recht zu sein. Zu herrschen, mit seinem Geld, das er mit Amazon, mit Tesla, mit Apple, Intel, Microsoft oder wie weiß noch verdient. Welche Auswirkungen hat die Ungerechtigkeit, die immens ungleiche Verteilung des Geldes?

Der Diktator eines Landes, der das Nachbarland überfällt, weil er sein Machtgebiet ausweiten möchte, wie zu vergangenen Zeiten der Zaren. Und der die BewohnerInnen seines Landes mit Bespitzelung, Gewalt und Angst, mit Verfolgung, Gefangenschaft und Verbrechen bedroht, im Zaum hält, soweit, dass sich kaum ein Mensch noch traut, auch nur ein Wort der Kritik zu äußern. Die Gefahr für Leib und Leben ist zu groß.

Die Terrorgewalt, die aus religiösen Motiven, eine Minderheit zu vertreten meint und nur den Gegenangriff entfacht, der weitere Gewalt schürt. Ein Gegenangriff eines Volkes, das sich im Recht empfindet, gestraft und verfolgt über tausende Jahre. Und bei jedem geschichtlichen Verständnis doch im Unrecht ist, wenn sie es nicht schaffen, in Gesprächen und Verhandlungen einen tragbaren Kompromiss auszuhandeln, der jeden Menschen die Möglichkeit gibt, einfach zu leben und teilzuhaben, zu gestalten, was seinen Werten entspricht. Ohne Gewalt, ohne Macht. Ohne sich über das Leben anderer einfach nur hinweg zu setzen.

Endlich dieser endlosen zerstörerischen Spirale der Gewalt zu entkommen, das muss unser aller Ziel sein. Und das wird nur funktionieren, wenn wir verzichten lernen, Macht zu haben, der Bessere zu sein, mehr zu haben und damit andere Menschen zu unterdrücken, zu unterwerfen.

Das ist mein utopischer Traum. Aber die realistische Frage bleibt, ob der Mensch überhaupt dazu in der Lage ist, auf Herrschaft, auf Macht zu verzichten. Ohne Ausnahme, jeder Mensch. Und wie soll dann das Zusammenleben funktionieren? In einer Welt müssen Gesetze eingehalten werden. Das heißt, es braucht eine Institution, die diese Gesetze überwacht, eine Organisation, die … Ja und hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Schon dieser Gedanke zeigt, dass der Mensch einfach nicht in der Lage ist, mit so viel Verständnis und Bewusstsein für Recht und Frieden zu leben, dass er irgendetwas braucht, dass ihm die Regeln seines Lebens vorgibt und gegebenenfalls auch überwacht und sanktioniert.

Kann eine Religion, eine Kirche auf Basis der Bibel, diese Funktion übernehmen? Ein Glaube an Gott? An dem wir unsere irdische Macht abgeben, in seine Hände legen? Bis dann irgendein Bischof, oder wer auch immer, Kinder missbraucht, sich goldene Türklinken einbauen lässt und seine Macht einsetzt, für sein eigenes Wohlbefinden. Denn es sind auch nur Menschen.

Wer kann wirklich so selbstlos sein? Aber es geht doch gerade nicht darum, nicht Uneigennützigkeit zu sein, ist meine Antwort. Ja. Es ist, wahnsinnig wichtig, gerade wirklich an sich selbst zu denken, eigenverantwortlich sich selbst zu sehen. Und sich nicht zu verstecken, sondern einen Weg zu finden, sich selbst zu sehen, den Weg zu sehen, die Entwicklung zu fühlen, die ein jeder Mensch nehmen darf. Das Leben, für das wir leben. Wir müssen unserem wirklichen Sein wieder näher kommen, ein Leben, das nicht durch Herrschaft über andere, geprägt wird. Das das andere, die Natur, das Klima, andere Kulturen, unser aller Lebensgrundlage die Erde, nicht ausbeutet und zerstört.

Wenn mein Leben sich davon nährt, welche Macht ich habe, sei es in der Beziehung, in der ich lebe, welche Gewalt ich über andere ausübe, welche bessere Leistung ich gegenüber andere bringe, dann definiere ich mich nicht mehr über das Geschöpf, das ich bin, sondern über die Macht, die ich habe. Das ist ein Unterschied. Ein gewaltiger Unterschied.

Das ist unsere Aufgabe, uns über uns selbst zu definieren und nicht über die anderen, die mehr haben, die anderen, die über uns Macht haben, indem sie uns Angst machen, uns abwerten oder ausnutzen. Zum Beispiel uns Drogen, und sei es „nur“ Alkohol, verkaufen, weil sie damit Geld verdienen wollen. Oder uns mit ihrem Terror Angst machen, dass wir in unserer psychischen Not, gewachsen über Generationen von Menschen, keinen anderen Ausweg erkennen, als immer nur genauso weiter zu machen. Bewust meine ich genau beides: Die gewaltigen Bedrohungen wie Terror und Krieg genauso wie die so schleichende Gefahr wie Sucht. Denn beides steht seit ewigen Zeiten beispielhaft für die Krise, in der sich die Menschen befinden, auf dem Weg von sich weg in eine Scheinwelt, ohne Instinkt für die wahren Werte: Das Leben.

Das ist Selbstbewusstsein für mich. Wenn ich mich finde, mich über mich selbst definiere, und nicht darüber, was ich mehr bin, als die anderen, mehr habe an Macht, dann brauche ich keine Gewalt über andere Menschen. Dann brauche ich es nicht, besser zu sein, als andere. Ich brauche es nicht, dass andere zu mir hochsehen, mich bejubeln oder Angst vor mir haben und mir meine Füße lecken oder mir in den Hintern kriechen. Das wäre ein wirklich evolutionärer Entwicklungsschritt der Menschheit.

Dann kann ich den anderen, das Andersartige einfach anerkennen, denn was ich für mich selbst bin, das will ich eben auch jedem anderen zugestehen. Sei du selbst, du darfst es sein und ich bin neugierig darauf, was für ein wunderbarer Mensch du bist. Sei einfach du, ich höre dir gerne zu, ich sehe dich gerne, ich bin gerne mit dir zusammen und ich stehe dir zu, damit du auf dem Weg zu dir selbst bist, in dem du den Raum findest, den du für deine Entwicklung, dein Leben brauchst. Das ist die Wurzel meiner Liebe für dich.

Wer wäre ich dann? Ein Mensch, der das Leben, das eigene, genauso wie das Leben anderer, ob Menschen oder Tiere, wirklich als gleichwertig anerkennt. Der das Leben in den Mittelpunkt stellt, als ein System des Werdens, verblühen und neu Entstehens. Als Kreislauf, in dem jedes Leben seinen wertvollen Platz hat, weil es kein besser gibt, sondern nur ein anders, und weil sich jedes andere ergänzen kann, weil es, wie in einer Symbiose einander bedingt, braucht, um zu leben.

Ich weiß, wie schwierig es ist. Sobald man an seine Grenzen stößt, wird man vielleicht aggressiv, vergisst, in seinem fühlen zu denken, wird impulsiv und ungerecht. Auch das ist menschlich, man kann nicht jedem Moment Frau oder Herr seiner Sinne sein. Und etwas zu machen, etwas zu sein, was ein Mensch einfach nicht ist oder will, macht jeden Menschen irgendwann vielleicht krank oder wütend, dann ungerecht und kämpferisch. Denn irgendwie will man ausbrechen und es dauert ewig, bis man es schafft. Oder man sublimiert es durch den Genuss, der einen weiter die Sinne vernebelt. Oder man hört den so „weisen“ Worten, die einen am Ende nur für irgendwelche Zwecke missbrauchen. Und so ist und bleibt man gefangen. Wie dieser Spirale entkommen?

Ich muss lernen, eigennützig zu sein, an mich zu denken, mich selber wahrzunehmen. Wirklich an mich denken und fühlen, und nicht an das, was ich glaube, wer ich bin, was mir andere vorgaukeln versuchen. Dann kann ich dies auch anderen zugestehen. Nur dann. Denn in meinem Ideal steht jedem anderen genauso das zu, was mir zusteht. Sonst gibt es kein Gleichgewicht, kleine Gleichberechtigung. Der andere wiederum darf genauso auch an sich denken, wenn er dieses Recht denn auch mir zugesteht. Das gleiche Recht für alle, wirklich alle. Das gleiche Recht zu leben.

In diesem Sein muss ich mich jeder Gewalt entgegenstellen, indem ich nicht teilhabe, an der Gewalt. Oder schlimmstenfalls, lieber sterbe, als mit Gewalt auf Gewalt zu reagieren. Denn wenn, nur wenn es keine Gewalt mehr gibt, die Gewalt verpufft, weil einfach die übrig bleibende Menschheit einsieht, sich jegliche Gewalt zu entziehen und jede Gleichberechtigung wirklich uneigennützig anzuerkennen, ohne Auge um Auge und Zahn um Zahn, sondern in Vielfalt der unterschiedlichen Augen und Zähne, dann werden die letzten vielleicht 10.000 Menschen dieser Erde die menschliche Genese neu begründen. Oder auch aussterben.

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