Heimatlos

Grauer Kater Socke mit blauen Augen, die entspannt zwischen Kabeln auf der Heizung.

Wie viele Menschen wurden und werden heimatlos? Israel und die USA haben den Angriff gegen den Iran begonnen. Und die Menschheit lernt nichts. Mehr als vier Jahre russischer Angriffskrieg. Nicht alleine nur für viele Iraner und Iranerinnen, Ukrainerinnen und Ukrainer heißt das bestimmt wieder und auch, heimatlos zu werden, weil die Heimat gnadenlos zerstört wird. Von den unzähligen Menschenopfern ganz zu schweigen. 

Und die Menschheit lernt nicht. Das Leben eines Menschen, einer einzelnen Person, hat keinen Wert. Jegliche Zivilisation, jegliches Nachdenken über Menschenrechte – und dem entsprechendem Handeln – scheint in der Steinzeit stecken geblieben zu sein. Wir schauen einfach nicht hin, was es bedeutet, Menschen anzugreifen, Menschen zu vernichten, physisch und psychisch. 

Zu viele glauben, etwas Besseres zu sein, besser als der oder die andere. Besonders die Reichen, aber auch viele, die kaum etwas haben, aber alles wollen, glauben, sich nehmen zu können, was sie für sich brauchen. Nur sind es heute keine Keulen mehr, mit denen wir aufeinander einschlagen, es sind gefährliche automatisierte Drohnensprengkörper, nukleare Waffensysteme, Atombomben und so weiter.

Es ist ein gefährliches Spiel, das wir spielen.

Das ist traumatisierend für die betroffenen Menschen und, und das wird viel zu wenig erkannt, für die folgenden Generationen. Denn aus dem Handeln, den Untaten der Vorfahren lernen sie nicht viel anderes, als dass mit Krieg und Gewalt das Recht des Stärkeren geltend gemacht wurde. Und wird. So legitimieren die Gewalt der Vergangenheit die Kriege der Zukunft. In einer nie endenden Spirale der Gewalt! 

Menschen müssen vor dieser Gewalt fliehen. Ihnen bleibt gar nichts anderes übrig, wenn sie einfach nur leben wollen. Auch andere Ursachen kommen dazu: die Folgen der globalen Umwelt- und Klimakatastrophe und wirtschaftliche Notlagen, weil die ausgebeuteten Nationen kaum von ihren Bodenschätzen profitieren. Den Profit stecken sich die „Industrienationen“ ein. 

Es ist doch keinen Menschen zu verübeln, wenn er oder sie in ihrer Notlage ihre Heimat verlassen und auf ein besseres Leben hoffen. Oder einfach nur darauf neugierig sind, woanders zu leben. 

Aber wir vergessen schnell, schauen einfach nicht hin, was das bedeutet, weil wir – noch – zu wenig oder nicht selber betroffen sind. Und aus der Vergangenheit haben wir nichts, aber auch gar nichts gelernt.

Nichtsdestoweniger, alle Menschen brauchen eine Heimat (das gilt übrigens auch für die Katzen, Hunde, Tiere, also alle Lebewesen): Das Gefühl, zu Hause zu sein. Das Gefühl der Sicherheit. Eine Vertrautheit, die unseren tiefen Ängsten vielleicht etwas entgegensetzt.

Die Welt wird immer kleiner, Informationen gehen blitzschnell um den Erdball. Globalisierung ist seit einigen Jahrzehnten eine entscheidende Entwicklung. Gerade deswegen aber, ist das Vertraute, die Heimat, besonders wichtig: Denn die Herausforderungen der Globalisierung brauchen als Gegenpol das Grundgefühl der Sicherheit, der Heimat, auf das, was wir kennen.

Heimat ist also ein wesentliches Grundbedürfnis. Aber nicht so, wie uns rechte Nationalisten wissen machen wollen. Das nur eine bestimmte Bevölkerungsschicht, die „echten“ Staatsangehörigen, die wahren Deutschen, einfach ihre Heimat wahren und verteidigen müssen. Die anderen Nationalitäten, insbesondere nicht europäische Menschen, sind unsere Feinde, weil sie unsere Heimat bedrohen, mit ihren anderen Glauben, ihrer Kultur. Und dann nehmen sie uns auch noch die Arbeit weg, was wollen die hier, sollen sie doch zu Hause bleiben, wird immer und immer wieder behauptet.

Und zu viele, sei in den USA, in Israel, in China, in Russland, in der Türkei, wo auch immer, scheinen so zu denken. Sind es wirklich so viele, oder wird uns das immer und immer nur vorgaukelt, damit wir so denken?

Verbrecher und Lügner dürfen regieren und machen, was sie wollen. Setzen sich über Urteile der Gerichte hinweg. Wie zuletzt das Urteil in den USA, das ein Großteil der erhobenen Zölle wegen Unzuständigkeit des Präsidenten gegen die Gesetze verstößt.

Welche Qualifikation haben die mächtigsten Menschen überhaupt?

Verbrecher und Lügner beeinflussen die großen Unternehmen wie Microsoft, Google, Apple, Amazon, um ihre Macht auszuweiten, und werden bestimmt auch nicht gestoppt, von den wirtschaftlichen Interessen dieser Konzerne und ihrer Hintermänner.

Menschen, die vertrieben werden, verlieren ihre Heimat. Menschen, die in der Fremde nicht mit offenen Armen empfangen werden, haben kaum eine Chance, eine Heimat zu finden, eine neue Heimat.

Diese Menschen werden doppelt bestraft. Wer gibt uns überhaupt das Recht dazu? Nur weil wir das Glück haben, als Einheimische geboren zu sein? 

Diese Ungerechtigkeit regt mich auf. Ungerechtigkeit ist schlimm, auch wenn es objektiv keine Gerechtigkeit geben wird. Wohl immer gibt es Menschen, die das sagen haben, die bestimmen, wo es lang geht, die ihre Karten ausspielen und meinen, damit im Recht zu sein. Das Recht des Stärkeren. Und darunter leiden die Schwächeren, und fühlen sich ungerecht behandelt.

Deswegen waren wir Menschen eigentlich so klug, uns ein unabhängiges Rechtssystem zu schaffen, das in demokratisch regierten Ländern auch leidlich funktioniert. Aber Diktatoren brechen das Rechtssystem auf, beachten die Gesetze nicht, schaffen neue, ihnen genehme Vorschriften, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Unter diesen Bedingungen kann es noch weniger, als in einer funktionierenden Demokratie, Gerechtigkeit geben.

Heimatlos werdende Menschen, Vertriebene werden nicht wirklich willkommen geheißen. Und noch schlimmer, sie bekommen die Schuld aufgeladen. Sie werden ausgegrenzt, gettoisiert, abgeschoben. Zu ihren traumatischen Erlebnissen gesellen sich so alles an Zutaten, was einer menschlichen Seele kaum guttun kann, sondern eigentlich nur krank machen kann.

Und da wundern wir uns, weil so manche Menschen dann eine Karriere als Verbrecher einschlagen? Wir sind doch selber Schuld, wir leben ihnen doch nichts anderes vor, wir behandeln sie doch nicht als Menschen!

Und dann muss die Strafe folgen, wenn sie nicht schon vorweggenommen wurde. Zurück in dein Heimatland klingt doch eher positiv in unseren Ohren. Du darfst in deine Heimat gehen, wird uns vorgemacht zu denken. „Remigration“ ist ein Schlagwort der AfD.

Aber die allerwenigsten der Flüchtlinge haben noch eine – ursprüngliche – Heimat, in der sie willkommen sind und leben könnten. Die allermeisten von ihnen wären und sind heimatlos. Das gilt genauso auch für die seit einigen Generationen in Deutschland lebenden Menschen, Familien die als „Gastarbeiter“ willkommen geheissen wurden und die bei Machtergreifung der „Rechten“ von „Remigration“, von Abschiebung bedroht sein würden.

Heimat finden

Dabei geht es um Migration. Ja. Auch wenn das unpopulär ist. Darum geht es. Wir müssen, meine ich, alles daran tun Menschen willkommen zu heißen und in unserem Land einzuladen, zu bleiben. 

Alle Menschen. Der Grund ihres Kommens darf keinen Ausschlag geben, alles ist schlimm, wenn Menschen fliehen müssen. Wir müssen ihnen anbieten, unsere Sprache zu lernen, damit sie verstehen und sich verständigen können. Wir müssen ihnen aber genauso ihre Kultur lassen, ihre religiösen Vorstellungen, ihre Gewohnheiten. Denn das ist ihre Geschichte, die sie geprägt hat. Wir dürfen darauf neugierig sein, es als Bereicherung empfinden, von anderen Kulturen zu lernen. Wie schön ist beispielsweise die selbstverständliche Gastfreundschaft arabischer Länder. 

Wenn es aber unseren moralische und gesetzlichen Vorstellungen widerspricht, so braucht es auch ein gewisses Maß an Anpassung. Für alle. Wir und die zu uns kommenden sind eine Bereicherung zu einem offenen, wachsenden Denken, das die Menschenrechte als oberstes Ziel hat.

Für mich brauche ich das Gefühl, eine Heimat zu haben. Hier, wo ich wohne, werde ich wahrscheinlich im kommenden Jahr wegziehen. Ich werde meine Heimat „West-Berlin“ verlassen, wie ich es eigentlich schon vor mehr als zehn Jahren getan habe. Ich bin in Berlin geboren, mein Vater kam aus Ostpreußen, meine Mutter aus Norddeutschland, ihre Vorfahren aus Schlesien. Mein Opa war Jahre seines Lebens auf den Weltmeeren unterwegs, ich habe ihn leider nicht kennengelernt (Reisen).

Das woanders sein, dass Reisen und wahrnehmen, dass es mehr gibt als der klitzekleine Flecken, auf dem ich gerade lebe, ist eine wesentliche Lebens-Erfahrung!

Meine Liebsten und ich planen, unsere Heimat in Mecklenburg zu finden, hier kommt sie her. Heimat kann der Ort sein, wo man geboren wurde. Heimat ist aber veränderlich, je nachdem, was das Leben so mit einem vorhat. 

Heimat finden heißt, anzukommen. Das Gefühl, nicht nur angeschwemmt zu sein wie ein Ding, sondern in der Vertrautheit und auch Verantwortlichkeit Sicherheit zu finden.

Für mich bedeutet Freiheit, dass diese dort endet, wo die Freiheit eines anderen Menschen beeinträchtigt wird. Ich auf meiner Suche nach Heimat, nach Sicherheit, habe also kein recht, so empfinde ich das, mir meine Heimat, meine Sicherheit einfach zu nehmen, wenn dies gleichzeitig bedeutet, dass ein anderer dies nicht darf oder daran gehindert wird, auch nicht durch mich.

Warum ist die Menschheit nicht in der Lage, nach diesem doch so einfachen Grundprinzip miteinander und solidarisch zusammenzuleben? Doch nur, wenn ich irgendwie mehr und immer mehr haben will, neidisch bin, unzufrieden mit dem, was ich habe. Und wenn mir die anderen irgendwie egal sind, ich nicht empathisch sein kann, egal mit wem.

Das bedeutet, wir Deutschen, die wir so sehr auf uns als Nation stolz sind – und auch sein dürfen – und das wahre deutsche Leben wollen, was immer das auch sein mag, wir sind auch die Verbrecher. Aber wer will sich schon die eigenen Unzulänglichkeiten anschauen, wer will sich schon infrage stellen, da ist es doch viel einfacher, den anderen die Schuld zu geben.

Eigentlich ist es immer das gleiche Prinzip. Das ist echt traurig. Und so führt es unabdinglich dazu, wie ich glaube, der ganze endlose Mumpitz des egozentrischen Machtgehabes der Verbrecher: Es wird den Untergang der Menschheit bedeuten, weil wir Menschen  permanent den Ast absägen, auf dem wir sitzen.

Dabei könnte es so einfach sein: Weniger, viel weniger Hass und viel mehr Liebe. Und vor allem auch verzeihen. Vergeben. Kein Mensch ist ohne Fehler. Fehler machen ist besser als seinen Ruf. Alles hat seine Geschichte. Wann werden wir das endlich begreifen?

Mit unserer Gewalt, mit unseren Kriegen, mit unserer Klimazerstörung, mit der Ausbeutung der Erde, mit der Vernichtung der Natur – und mit dem nichtanerkennen, das jeder Mensch ein Recht hat, auf seine Heimat – wir sind auf dem besten Weg, alle unsere Heimat zu verlieren, heimatlos auszusterben. Aber im Angesicht des Todes ist alles egal, so leben wir Menschen. Setzen, ungenügend!

0 Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar! Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Name und E-Mail-Adresse werden ausschließlich für diese Kommentarfunktion verwendet und nicht an Dritte weitergegeben.

Schreibe einen Kommentar