Für die Vielfalt!
Vielfalt, Diversität oder Einfalt, Homogenität – das ist hier die Frage.
Wenn ich eher konservativ an alten Werten festhalte und diese Werte hochhalte, so gibt mir das ein Mehr an Sicherheit, gerade in einer Welt, die sich so exponentiell schnell verändert. Eine Sicherheit, die mir den Halt gibt, in der Unsicherheit der Veränderung.
Der Mensch ist ein Wesen, das diese Sicherheit im Leben sucht und benötigt. Das ist das Wesen des konservativen Denkens. Wie in einer Konservenbüchse wird das Eingemachte bewahrt, nach außen verteidigt, notfalls bis aufs Blut.
Im Extrem kann dies dazu führen, dass man im Bewahren das Andere versucht zu vertreiben, sogar zu vernichten.
Das, was gut ist, die Sicherheit, die es uns gibt, unseren Weg zu finden, unser Leben zu leben, verwandelt sich so ins Gegenteil. Denn keiner ist freiwillig gerne in der Opferrolle, wird sich also wehren und damit zur Bedrohung unserer Sicherheit.
Gefährlich wird es, wenn im konservativen Denken die Vielfalt als Argument benutzt wird, dagegen zu sein, sich abzuspalten, um die eigenen Werte wiederzufinden, zu fördern und zu leben.
Gegen das, was sein soll, also die eigenen Werte zu leben, ist gar nichts zu sagen, aber warum soll die Vielfalt dem entgegenstehen?
Das biologische und ökologische System hat einen wesentlichen Ursprung gerade in der Vielfalt, in der sich unterschiedliche Fähigkeiten gegenseitig bedürfen. Keine Monokultur ist langfristig aus sich heraus überlebensfähig (außer der Mensch greift beispielhaft mit chemischen Keulen ein).
Die Natur funktioniert anders. Und wenn etwas dabei ist, wie die ausgestorbenen Mammute, die das Gleichgewicht störten, dann wird die Natur diese Balance radikal wieder suchen, in tausenden Jahren.
Konservativ gegen die Vielfalt zu sein, scheint erst einmal einfacher zu sein. Was ich bewahren möchte, das kenne ich, daran kann ich mich festhalten. Das ist auch positiv, denn es gibt mir meine Kraft und meine Fähigkeiten. Es ist notwendig, denn wer möchte schon immer wieder neu das Rad erfinden?
Sich aber aus diesem Denken heraus gegen die Vielfalt zu stellen, der stellt sich gegen die elementaren Werte der Natur, des Seins der Welt.
Wir dürfen das eine nicht mit oder gegen das andere ausspielen. Gerade dieses Ausspielen ist die Gefahr, denn es bewertet das eine besser als das andere. In der Beurteilung liegt das Problem. Denn nichts ist besser als das andere, es ist einfach nur anders, es ist ein anderer Weg, eine andere Möglichkeit, eine andere Sichtweise.
In der Vielfalt findet gerade so das konservative Denken selbst seine Sinnhaftigkeit, weil es im Bewahren von Fähigkeiten ein Werkzeug ist, welches uns das Leben vereinfacht. Und damit eine wichtige Komponente unserer Sicherheit ist.
In einer Vielfalt hat insofern jedes Denken seinen Platz als einen Teil der Vielfalt. Und weil es uns nur so möglich wird, uns weiterzuentwickeln, indem wir von dem anderen lernen und gemeinsam Neues entdecken.
Wer sich in seinem konservativen Denken abspalten möchte, der verliert möglicherweise diese Urkraft der Vielfalt aus den Augen.
Natürlich, oftmals kann es notwendig sein, sich zu trennen, um den eigenen Weg, den eigenen Standpunkt überhaupt erst mal wiederzufinden. Mit Abstand sieht man manches aus anderen Winkeln. Dagegen ist nichts zu sagen.
Man sollte nur wahnsinnig aufpassen, mit welchen Beweggründen man dabei argumentiert. Und dass die Vielfalt des anderen als Begründung für das eigene Handeln dient, ist das, was es ist: einfältig.
Eine Gruppe, die sich infolgedessen abspaltet, aus der Begründung heraus, sich im konservativen Denken gegen die Vielfalt zu stellen, macht in meinen Augen einen großen Fehler. Anstatt die Kraft und die Verbindung in den gemeinsamen Werten und dem Glauben zu sehen, verspielen sie genau diese Kraft.
Ach, die sind sich doch nicht einig, wem sollen wir da glauben, wird nach außen kommuniziert. Das ist ein Spiel mit dem Feuer, in dem keiner gewinnt, sich alle mehr als nur die Finger verbrennen könnten.
Natürlich kann man für jeden Standpunkt, für jedes Handeln auch ein Für und Wider finden. Und reicht die Wahrheit nicht, so wird diese notfalls gebogen. Es ist nichts nur schwarz oder weiß.
Und je nachdem, was sich seit Generationen im Denken einer Kultur gebildet hat, sich im Gehirn verfestigt hat, wird unser Denken prägen. So funktioniert das Gehirn des Menschen. Und dann ist es doch über 2000 Jahre überliefert in den biblischen Worten der Schrift.
In über 2000 Jahren hat sich vieles geändert, eigentlich alles außer den elementaren Dingen wie Essen, Schlafen, Fortpflanzung und Tod.
Wir leben unser heutiges Leben in vielerlei Hinsicht nicht mehr so, wie vor 2000 Jahren. Unser Wissen, unser Denken, unsere Möglichkeiten sind anders, haben sich weiterentwickelt.
Das ist, so denke ich, wesentlich und sollte bei jedem Bezug auf das „Alte“ nie vergessen werden. Wie zuvor erwähnt, heißt dies gerade nicht, dass wir Menschen die alten Werte in den Wind schlagen. Es heißt nur, dass wir in unserem Handeln das Neue, die Offenheit, das Wissen mit unseren heutigen Augen, unserer Bildung genauso wichtig nehmen.
Gerade auch dann, wenn wir davor Angst haben, in unserer wachsenden Unsicherheit und Überforderung. Denn die Bangnis vor Veränderung, die Furchtsamkeit vor der Vielfalt, die wird uns schlimmstenfalls lähmen.
Oder noch besser: die Diversität, die Vielfalt und die Homogenität, das geschichtliche Bewusstsein, nicht als gegeneinander sehen und bewerten, sondern als etwas interpretieren, das einander bedingt, benötigt und befruchtet. Just (dieses veraltete Wort habe ich bewusst gewählt) und genau in seiner modernen Vielfalt.
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