Zweiundsechzig
Die Welt um mich wird immer jünger. Jünger als zweiundsechzig.
Als Kind, als Jugendlicher ist das Leben fremdbestimmt. Erziehung. Andere haben das Sagen. Stempeln und prägen. Bis dahin, dass ein zu junger Mensch in Situationen kommt, die so endgültig sind wie der Tod. Und die sich regeln, wie an Fäden gezogen.
Drogensucht stinkt und zerstört. Der Preis der Ablenkung, der Flucht, des Vergessens. Auch ein schlechtes Vorbild ist ein gutes Vorbild. Anders sein, als die Alten.
Widerspruch in sich, verunsichert, für ein Kind unbegreiflich. Tiefe Wunden haben ihre Wurzeln. In der Kindheit, sogar schon vor der Geburt, im Schicksal und den Fähigkeiten der anderen, in den Zwängen der Zeit.
Wer bin ich mit Zweiundsechzig?
Alles ist neu. Und ich auf der Suche. Aber darum geht es nicht. Zu zwanghaft. Oder finden? Die eigenen Werte. Ganz persönlich. Die eigenen Entscheidungen. Die eigene Freiheit.
Einen Weg finden. Aus der Unsicherheit. Was hilft dabei? Geschichten? Alte und neue Märchen? Die Sterne fragen? Karten legen? Die Gefahr: Hofnarren verschaukeln dich. Verdienen mit deiner Vernebelung. Die Chance: einen Weg zu sich finden.
Was ist wirklich wichtig? Fühlen. Als gleichberechtigt zum Denken. Und so oft unterdrückt.
Zärtlichkeit. Als Ausdruck des Fühlens. Und als Mittel des Gefühls.
Zuhören. Um zu sehen, mit allen Sinnen.
Offenheit. Die der eigenen Verschlossenheit gegenübersteht.
Entscheidungen werden getroffen. Ist es die Liebe des Lebens? Das Bedürfnis nach Zweisamkeit überdeckt die verborgenen Zweifel. Und viele schöne Momente.
Für den Moment ist es richtig
Das zählt. Nur das.
Der Weg ergibt sich aus den gegangenen Schritten. Es entwickelt sich. Das Leben. Wie zufällig scheint es. Dann wird es sich fügen.
Und dennoch. Allein. Mit sich. Die Dämonen anderer werden einen übergestülpt. Ungerechtigkeit entzweit.
Auch die eigenen Geister zeigen sich immer wieder. Aus dem Nichts.
Wie schwer ist es, sich anzunehmen.
Früher. Als junger Mensch. Rückzug. Um sich den Verletzungen zu entziehen. Eine eingeübte Strategie.
Alte Wunden, Traumatisches lassen sich nicht einfach abschütteln.
Nicht das Ziel ist das Ziel. Auf dem Weg sein ist das Ziel.
Kinder auf ihrem Weg begleiten. Kinder zu stärken, zu verstehen. Neugierde zu wecken. Geborgenheit zu schenken. Authentisch zu sein. Kein Widerspruch zwischen Sein und Handeln. Ich bin nicht größer, nicht mehr, als du, mein Kind.
Gutes ist geleistet. Das trägt weiter.
Aufgaben sind verteilt. Fest und fertig.
Bin ich noch ich?
Sich selbst nicht zu leben, macht unzufrieden. Und ungerecht und wütend.
Seelen haben sich auseinandergelebt. Es gibt nichts mehr zu sagen.
Entscheidung, sich zu trennen. Wenn das einander Verstehen verloren ist. Oder war es nie wirklich? Die Liebe ist futsch.
Was ist wirklich wichtig? Nicht was ich besitze. Sondern wer ich bin.
Die Liebe des Lebens. Von Beginn an ohne Fragezeichen.
Was ist wirklich wesentlich? Gemeinsam. Sich den Alltag teilen. Sich das Leben teilen. Denn ein jeder hat seine Stärken.
Gerade auch dann, wenn Schwächen alles, wirklich alles, annehmen.
Vertrauen. Steht der Angst gegenüber vor Verletzungen der Vergangenheit.
Die alten Dämonen melden sich zurück
Zärtlichkeit. Nähe. Das Fühlen zu schenken. Füreinander.
Unterschiedliche Lebensläufe. Im selben Moment das Gleiche denken. Verschieden und doch vertraut.
Mit der Zeit wächst die Sicherheit. Nicht mehr allein zu sein.
Wir können keinen Menschen verändern. Das zu lernen, ist schwer. Versuche, es zu probieren, sind zum Scheitern verurteilt. Und es macht auch nur traurig, unzufrieden, ungerecht.
Den Moment, das Jetzt wertzuschätzen, positiv zu spiegeln, erleichtert es.
Und der Erhalt der Gesundheit wird immer wichtiger. Verantwortung übernehmen, auch für sich selbst. Und so Verantwortung für die Zukunft.
Schlimmstenfalls noch ein paar Tage. Wahrscheinlicher noch zwanzig, dreißig Jahre. Dann bin ich weg und mein Leben ist vorbei.
Vielleicht, ein Gedanke, ein Wort, eine Erinnerung an mich, meine Spuren bleiben für eine Zeitspanne. Wir werden vielleicht für dich ein kleines Licht sein. Für seine Zeit. Bis ins Vergessen.
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