Ich bin nicht geboren, um unglücklich zu sein

Terrakotta-Sonnensymbol mit zwei Gesichtern, das an einer Wand befestigt ist, umgeben von grünen Blättern und einer pinken Blüte.

Ich bin das nicht, ich bin nicht auf dieser Welt, um nicht glücklich zu sein. Insbesondere wir Deutschen glauben oft das Gegenteil. So viele jammern und schimpfen und scheinbar finden manche darin ihr Lebens-Elexil.

Ach, der Nachbar hatte Pech, aber mir geht es noch viel schlechter. Sagt man etwas dagegen, dann wird einem das noch schlimmere Leid angetragen. Du verstehst das nicht. Komme erst mal in mein Alter. Du hast nicht erlebt, was ich erlitten habe. Ein Freund aus vergangen Zeiten meinte, man kann Schlechtes nicht mit noch schlechteren vergleichen. Was soll man auch dagegen halten?

Ich bin, was ich denke und fühle

Wer etwas nicht hören will, der kann, der will das nicht. Aber: Ich bin die Persönlichkeit, wie ich denke und fühle. Mein Gehirn, die biologischen Prozesse funktionieren genau so. Denke ich einseitig, so werde ich auch eindimensional leben. Öffne ich meine Gedanken in alle Himmelsrichtungen, erkenne ich in dieser Vielfalt eine unendlich große „Wahrhaftigkeit“.

Ein jeder Mensch ist mehr als „nur“ männlich oder „nur“ weiblich. Das vielleicht größte Problem, gerade auch für Männer, ist es, mit den unterschiedlichsten Gefühlen und Denkmustern konfrontiert zu werden, weil dies bedeuten könnte, das eigene Leben gegebenenfalls völlig infrage stellen zu müssen. Dann lieber verdrängen und ein „echter“ Mann sein, um der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen zu müssen – und das als Ideal für alle Männer zu bestimmen.

Die Reduzierung, die Mechanismen der Vereinfachung, verwenden politische Gruppierungen, besonders rechte Fundamentalisten, aber auch linke Extremisten, um uns in dem zu bestärken, was wir denken sollen, in ihrem Sinne. Und das bunte und die anderen schlecht machen. Und noch schlechter. Um die Situationen zu polarisieren. Unsere Gesellschaft zu spalten. Bist du nicht dafür, bist du dagegen.

Welche Ziele hat eine Partei wie die AfD? Nichts von ihren wirklichen Plänen steht im Wahlprogramm, so schlau sind sie. Wenn die Katastrophe kocht, werden sie als die erscheinen, die das Heil bringen. Zuckerbrot und Peitsche. Damit es weniger schlimm scheint, wenn sie ihr wahres Gesicht zeigen werden: Die hässliche Fratze der menschenverachtenden Macht.

Und die Unglücklichen glauben ihnen. Weil es so einfach ist. Natürlich ist es narrensicher, möglichst unkompliziert zu denken, eben eher in Schwarz oder Weiß, in dieser komplexen Welt, wo kein Kopf mehr alles wirklich durchblicken kann.

Alle, mit unserem Unglücklichsein, sind dabei besonders gefährdet. Und das wird erbarmungslos geschürt und ausgenutzt. Verbrecher wie Trump und Konsorten, aber auch die AfD saugen unser Glück wie Honig erbarmungslos aus, machen uns unglücklich. Das ist die Falle, in die wir tappen sollen. Und je unglücklicher wir sind, desto größer ist ihre Chance, uns zu beeinflussen. Denn jeder sehnt sich doch nach Glück, auch wenn jeder Mensch darunter etwas anders verstehen wird.

Aber Fundamentalisten geht es nicht darum, dass wir glücklich sind. Denn wenn ich zufrieden bin, bin ich kein geeignetes Werkzeug, viel eher eine Bedrohung. Alleine schon deswegen gibt es vielleicht etwas, was wir entgegensetzen können: Das Glück im Unglück.

Jede Ideologie birgt diese Gefahr. Was anders ist, was nicht reinpasst, gehört nicht dazu, muss bekämpft werden, verboten werden, ausgerottet werden. Beispielsweise der reale Sozialismus ist gescheitert, weil es keine Gerechtigkeit gab. Und nie alle vermeintlich gegnerischen Kräfte werden verstummen, irgendwann entfalten sie sich. Das ist meine Hoffnung. Und dann ist es ein großes Glück, wenn es dabei friedlich bleibt.

Was wollten die Nazis im Zweiten Weltkrieg, sie ermordeten mehr als sechs Millionen Menschen, weitere Millionen wurden verwundet und getötet im Krieg. Weil sie meinten und meinen, nur eine Rasse Menschen sind die wahren Menschen, die Auserwählten, die ausbeuten dürfen, rauben können, was die Erde an Reichtum gibt. 

Bei gesundem Menschenverstand merkt man doch, dass das nicht funktionieren kann. Denn alleine schon, wer legt denn die „Kriterien“ fest? Die selbst, die meinen, dass sie dazugehören. Wenn sie das dann glauben machen wollen, dann finden sich immer Argumente, die alles belegen. Gesetze, die das „Andere“ verbieten und bestrafen. Und wer mit dem Finger auf die Lügen zeigt, wird eingeschüchtert: mit Angst und Schrecken, seelischer und psychischer Gewalt, und immer auch mit dem Tod. 

Was soll ohne Vielfalt, in einem Inzest unter „Gleichen“, denn überhaupt an „Gesundheit und Glück“ entstehen können?

Wohlstand und Frieden unter Gleichen? Sicherheit ohne Bedrohung durch andere? Genau das reden uns die Rechten ein. Wir sollen es glauben. Unsere Gehirne werden weichgespült. Die neuen medialen Möglichkeiten machen es noch einfacher. Die künstliche Intelligenz wird auch als ein Werkzeug missbraucht, das genau denen in die Hände spielt.

Übersehen wird dabei, dass es nur ein „falsches“ Wort brauchen wird, und du stehst am Pranger. Wirst wie eine Hexe im Mittelalter verbrannt. Diese Macht ist willkürlich.

Leben ist etwas ganz anderes, glückliches Leben

Blicke ich in die Vielfalt der Natur. Sehe ich auf die unendlichen Unterschiede, stelle ich doch fest, dass es anders ist. Nicht das Gleiche, die Gleichmacherei zählt, sondern die bunte Vielfalt.

Kein Mensch ist, denkt und fühlt, genauso wie ich als Person. Absolut keiner, jeder ist anders. Und das ist gut so. Denn ich bin ein kleines, unbedeutendes Wesen auf dieser Erde. Nicht unwichtig – denn jedes Leben zählt – nein, aber auch in keinem Maße essenziell, dass ohne mich irgendetwas nicht sein könnte. Demut stände den Menschen wirklich gut.

Aber einem Egozentriker, der sich als Mittelpunkt der Welt sieht, der seine Macht genau deswegen braucht, wie Wasser, Luft und Nahrung, geht das völlig am Dups vorbei. Dabei vergessen wir, blenden es einfach aus, dass wir ohne Natur um uns, nicht auf dieser Welt wären und sein könnten. Wir sind und bleiben ein Teil der Natur! 

Meines Wissens nach ist es nur unsere Erde, über Millionen Jahre entwickelt, die Leben ermöglicht.

Wenn man das verdrängt, ja, natürlich braucht man dann irgendwelche anderen Mechanismen, um glücklich zu sein. Männer sind auf dem Trichter gekommen, ihre Männlichkeit als Stärke einzusetzen. Auch zur Unterdrückung. Als Macht. Aber macht Macht glücklich?

Auch Geld macht nicht wirklich glücklich. Selbst wenn es in manchen Situationen die Nerven beruhigt. Aufwachen ohne finanzielle Sorgen ist schon ein angenehmes Gefühl. Aber wirkliches Glück ist etwas anderes.

Ich bin nicht glücklich, wenn sich Leben nicht entfalten kann. Wenn Frauen unter Männern leiden. Wenn queere Menschen nicht ihr Leben leben dürfen. Wenn Kinder sich nicht neugierig entwickeln können. Wenn Alte nicht die Anerkennung finden, die ihnen für ihre Lebensleistung zusteht. Wenn Migranten und Flüchtlinge in ihrem Leid nicht empfangen werden. Weil wir sie nicht einladen können zu bleiben, weil wir Angst vor ihnen haben, ihrer anderen Kultur, ohne den offenen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Und weil wir uns in unserem Wohlstand bedroht sehen, wenn wir aufgefordert werden zu teilen. Alles Unmenschliche macht mich zutiefst unglücklich. 

Ich bin glücklich, weil ich auf mein Leben blicken kann und sehe, dass ich innerlich nicht stehen bleibe. Dass ich ein Mensch bin, der liebt. Dass ich vor mir und meinen Gedanken nicht weglaufe. Dass ich diese hier aufschreiben kann. Für mich.

Ich bin glücklich, denn ich werde geliebt. Ich bin glücklich, mit meiner Liebsten an meiner Seite. Die mich so annimmt, wie ich bin, aus mir nicht etwas machen möchte, was ich nicht bin. Denn ich kann mich nur aus mir heraus verändern, von außen kann man sich „nur“ helfen, wenn es in einem selbst, von innen heraus, wachsen kann. Ich bin glücklich, weil genau das auf Gegenseitigkeit beruht.

Ich bin glücklich darüber, zu sehen, was ich aus meinem kleinen Leben gemacht habe. Ich bin stolz darauf, beispielsweise nicht wie mein Vater, keiner Sucht verfallen zu sein und so wie er enden zu werden. Und auch, wenn ich als Jugendlicher hautnah dabei war, als er starb, gibt es mir ein kleines Glück, dass er vielleicht noch schöne, letzte Tage am Meer hatte (Vater und Sohn).

Ich lasse mich nicht unterkriegen und suche mein Glück. Und noch besser. Ich habe es gefunden. Ich bin glücklich, weil ich im Frieden leben kann. Noch.

Ihr Extremen, ihr Radikalen, ihr Verbrecher, die ihr unser Leben bedroht, ihr könnt die Umwelt, das Klima, die Natur zerstören, ihr könnt mir alles nehmen, mich auch in tiefste Traurigkeit stoßen, ihr könnt mich bedrohen. Ihr könnt mir das Leben meiner Liebsten und mein Leben nehmen. Aber nicht: Meine Liebe, die sich gegen euren Hass stellen wird, mein wirkliches Glück.

0 Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar! Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Name und E-Mail-Adresse werden ausschließlich für diese Kommentarfunktion verwendet und nicht an Dritte weitergegeben.

Schreibe einen Kommentar