Das ist kein Fehler
Es ist kein Fehler. Der Fehler, den du machst. Es braucht dir nicht leidzutun, du brauchst dich nicht zu grämen. Es ist passiert. Einen Moment nicht aufgepasst, einmal nicht überlegt. Endlich ein Mal spontan gewesen. Und schon ist es geschehen. Die Ungeschicklichkeit ist da. Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort, das Schicksal hat zugeschlagen. Aber es ist nicht schlimm. Weder was geschehen ist noch deine Tränen. Es ist nicht zu ändern, was geschehen ist, ist geschehen.
Ja, von außen betrachtet scheint dein Fauxpas ein Fehler zu sein. Es ist sehr schnell beurteilt, was geschehen ist. Verurteilt, als Schaden abgestempelt. Daher fühlt es sich einfach besser an, keinen Fehler zu machen. Weil wir alles beurteilen, Menschen und Taten, Leistungen und Erfolge. Unser Selbstwertgefühl speist sich auch aus diesen Gefühlen.
Mut zur Lücke!
Und überhaupt: Wie lernen wir? Auch und besonders aus vermeintlichen Fehlern. Indem wir ausprobieren, testen und die Auswirkungen analysieren, begreifen wir, wie es vielleicht besser gehen könnte. Forschung funktioniert oftmals genauso. Das auf den Alltag anzuwenden, wäre schön. Auch aus meinen größten Fehlern kann ich lernen. Zudem: Muss denn wirklich alles perfekt und fehlerfrei funktionieren? Das kann es doch gar nicht geben!
Das ist ungerecht
Und wie schnell geschieht es manchmal, für etwas verantwortlich gemacht zu werden, wofür wir nicht die geringste Schuld haben können. Beispielsweise, das Schlimmste, was eine Mutter zu ihrem Kind sagen kann, ist: „Ich wünschte, du wärst nicht geboren, mein Leben ohne dich wäre viel besser.“
Das verletzt deine Seele sehr. Welche Geringschätzung liegt in diesen Worten! Und was eine schreiende Ungerechtigkeit. Denn was passiert: Dir wird gesagt, du hast Schuld, du bist der Fehler. Dass jedes Kind am eigenen „Zur Welt kommen“ kein Verschulden haben kann, ist gerade für einen jungen Menschen unendlich schwer zu begreifen.
Du bist kein Fehler!
Jedes Leben ist ein Geschenk der Natur. Und wenn überhaupt, warum haben die Eltern nicht besser aufgepasst?
Glücklicherweise fallen so extreme Aussagen nicht oft. Sehr viele Kinder werden mit offenen Armen willkommen geheißen. Aber wie bei allem gibt es auch viele Abstufungen.
Frisch geboren, alles ist für unser Gehirn neu, erste Erfahrungen werden gespeichert. Leben, das anderer, wie unsere Eltern leben, die Art und Weise wie sie mit dir und miteinander umgehen, wird in deinen Gehirnzellen abgelegt. Du lernst durch Abgucken. Das prägt einen Menschen weit mehr als später die Dinge, die wir schon 1000 Mal erlebt haben werden. Und je nach dem, wie unsere Eltern geprägt wurden, prägen sie dich, mal so, wie sie es kennen, mal anders, weil sie das, was sie kennen, nicht gut finden. Und oftmals irgendwie dazwischen. Und meistens weit weniger reflektiert, als wir denken.
So lebt das Glück, so lebt die Verzweiflung, der Mut und die Angst der vergangenen Zeiten in dir irgendwie weiter. Gefiltert, verändert, neu und anders, aber dennoch war es schon mal. Nur anders.
Was ist überhaupt ein Fehler?
Wer aber legt fest, was gut und richtig ist und was ein Fehler war oder ist? Es sind doch immer die Erfahrungen, die die Grundlage bilden. Unsere Lehren und wie wir damit umgehen. Das ist absolut subjektiv. Wer behauptet, dies oder das sei ein Fehler, der meint es aus seinem eigenen Erfahrungsschatz heraus. Das geht auch kaum anders, aber es heißt auch, dass ein Dritter es ganz anders sehen könnte.
Ich bin der Dritte und ich sage: Es ist kein Fehlverhalten, der „Fehler“, den du gerade meinst, gemacht zu haben.
Dabei meinen wir Kriterien zu haben, um zu beurteilen, was richtig und was falsch sei. Wir können Leistung messen, in Tempo, in Zeit. In Zahlen, in kleinen und in großen Mengen. Früh schon formt das Schulsystem uns, wir messen uns. Zeugnistag, wieder ein Tag der Wahrheit über unsere Fehler.
Aber jede Zensur ist relativ! Wer legt fest, ab wie viel Rechtschreibfehler dein Text eine ausreichend oder sehr gut ist? Wer sieht in der Herleitung deines Rechenwegs die Genialität deines Denkens? Wer beurteilt dein gemaltes Bild mit dem wirklichen Kennen deiner Kreativität? Wer erkennt dich als Mensch?
Du bist eher der Klassenclown. Oder schüchtern und still. Schon wirst du entsprechend bewertet, je nach den Erfahrungen, welche deine Lehrer und Lehrerinnen haben, was sie persönlich mögen, wie sie geprägt sind.
So sind wir alle Menschen geschöpft. Ohne Ausnahme. Nicht selten und weil es einfach leichter erscheint, bleiben wir in unserem Denken festgelegt. Das war doch schon immer so, und früher war alles besser. So werden und bleiben Missgeschicke zu Fehlern, weil unser Kopf schwer erkennt, dass sich jedes Denken auch verändern kann. Wenn wir es wollen. Aber wer will schon aus seinem sicheren Schneckenhaus heraus?
Das ist die Krux
Vermutlich hat sich die Natur im Laufe der Evolution noch kein besseres System ausdenken können. Vielleicht muss die Spezies Mensch auch erst aussterben, um der Natur eine Chance zu geben, es „besser“ zu machen. Ist also der Mensch an sich der „Fehler“?
Nein, das glaube ich nicht. Auch wenn es deutlich so scheint und die Entscheidungen der Menschen in der heutigen Zeit sehr stark darauf hindeuten. Stehen wir an einem Scheideweg?
Ist es ein Fehler, ist es kein Fehler?
Was ich denke, wie ich Handel, immer werde ich dafür Argumente finden. Zum Beispiel: Wenn ich gegen Krieg bin, gegen Gewalt, gegen radikale Taten, Extremisten, die andere Menschen in ihrem Leben einschränken, so werden sich andere Menschen finden, die meinen, dass wir Opfer bringen müssen, um den Mächtigen zu zeigen, dass es so nicht gehen kann.
Aber was erreichen wir wirklich, wenn Gewalt sich weiter aufschaukelt, die Gesellschaft sich spaltet und Schichten auseinanderdriften und gegeneinander kämpfen?
Ich finde – wir erkämpfen damit keine wirkliche Veränderung, sondern alleine nur Zerstörung. Das kann nicht gut gehen! Das ist in meinen Augen ein Fehler.
Und dennoch. Es ist kein Fehler, reich zu sein. Ein Wirtschaftsunternehmen zu führen. Geld zu verdienen. Wenn, ja, wenn nicht der finanzielle Erfolg, sondern die Verantwortung für das Wohl aller im Unternehmen zählen würde.
Es ist kein Fehler, „arm an Geld“ zu sein. Es ist kein Fehler, als Akademiker als Taxifahrerin zu arbeiten. Es ist kein Fehler, schlechte Zensuren zu bekommen oder bei der Müllabfuhr zu schuften. Es ist auch kein Fehler, „dem Staat auf der Tasche zu liegen“, weil du weder Arbeit findest noch arbeiten kannst.
Egal welches Sozialsystem wir haben, es wird immer auch Menschen geben, die Schlupflöcher finden und das System für ihre egoistischen, persönlichen Vorteile ausnutzen.
Aber es ist ein Fehler, alle Menschen über diesen einen Kamm zu scheren. Nicht individuell hinzuschauen, und Menschen nach ihren sozialen und /oder intellektuellen Fähigkeiten zu verurteilen. Nicht die Menschen sind der Fehler, sondern das System des Denkens und Beurteilen.
Kriterien für Fehler
Also ist es keine Frage: Natürlich kann es ein Fehler sein, was du gerade gemacht hast. Aber nicht nach den Kriterien Leistung, gut oder schlecht, erfolgreich oder abgestürzt. Das ist Bullshit.
Sondern nach Kennzeichen wie Verantwortung tragen und übernehmen für die Folgen des eigenen Handelns – nicht für das Handeln anderer, natürlich, außer wir haben sie angestiftet.
Denn natürlich gibt es Fehler, die wir machen: Andere Menschen körperlich und seelisch zu verletzen, das Leben nicht anzuerkennen, Freiheit nicht zu gewähren oder uns Freiheiten herauszunehmen, die die Grenzen anderer nicht selten mehr als nur verletzen. Nicht umsonst haben wir Menschen uns Gesetze gegeben, um bei Fehlern Recht zu sprechen. Auch wenn auch hier ein Fehler im System ist: Recht und Gerechtigkeit haben oftmals wenig gemeinsam.
Es ist also eine Frage der Kriterien, die wir anlegen. Leistung oder – früher sagten wir dazu – moralische Kriterien.
Eine „neue“ Fehlerkultur, die als Erste und immer die Menschen und das Leben im Fokus hat, wird auch nie völlig gerecht empfunden werden können. Und sei es „nur“, weil plötzlich Leistung weniger zählen könnte.
Aber für mich scheint es logischer – und sei das mein Fehler – uns besonders im Hinblick auf die Folgen unserer Leistungsgesellschaft, des kapitalistischen Denkens geprägt von dem egoistischen Gehabe unserer Machthaber – die Kriterien Leistung und Geldvermögen endlich über Bord zu werfen und anderen Zeichen wie Verantwortung, Gerechtigkeit und Freiheit viel mehr Gewicht zu geben.
👉 Hinweis: Wenn du diesen Beitrag auf Mastodon oder Facebook teilst, werden Daten an diese Plattformen übertragen. Dort gelten die eigenen Datenschutzregeln, auf die ich keinen Einfluss habe.









Hinterlasse ein Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar! Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.
Name und E-Mail-Adresse werden ausschließlich für diese Kommentarfunktion verwendet und nicht an Dritte weitergegeben.