Weil es einfach da ist
„Du bist ein nutzloses Stück Scheiße“ sind unendlich verletzende, herabwürdigende Worte von schlechten Menschen.
Alles muss in menschlichen Augen einen Nutzen haben. Hat es das nicht, ist es wie vogelfrei. Wir Menschen verändern vieles dermaßen, dass es nützlich wird. Und sei es für unser Auge. Wir formen die Welt, wie es uns gefällt.
Harmlos ist es, einen Pudel zu frisieren, so wie wir Menschen es schön finden.
Problematischer im Für und Wider ist es schon, durch Züchtungen Pflanzen und Tiere in dem Maß zu verändern, dass der Ertrag höher wird und wenige Menschen viel damit verdienen.
Mehr als dramatisch ist es, wenn wir Menschen ganze Gruppen von anderen Menschen verfolgen, vertreiben und ermorden, weil wir meinen, dass sie anders sind. Eine andere Hautfarbe, eine andere Haarfarbe, eine andere Religion reichen schon, um uns bedroht zu fühlen, unsere Ängste zu schüren und Menschen in die Schublade „nutzlos“ einzusperren. Mehr als 6 Millionen getötete Menschen unter dem Regime der Nazis sind bei weitem eines der historisch schlimmsten Ereignisse. Widerstand gegen die Nazis, wurde, unter dem Deckmantel des Rechts, bekämpft. Frauen und Männer, etwa der Bewegung der Weißen Rose, wurden als nutzlos diffamiert und innerhalb weniger Tage verurteilt und hingerichtet.
Nutzlos sein macht aber auch Angst. Wir haben selbst davor Furcht, nutzlos zu sein, umgekehrt, es nicht zu sein, gibt uns Kraft. Körperliche Handicaps machen uns Herzensangst. Die Folgen von Krankheit bereiten uns schlaflose Nächte. Wir haben es immer und immer wieder gelernt, dass wir Nutzen bringen müssen. Wir definieren uns selbst darüber, was wir arbeiten, machen und haben. Wenn es nicht mehr geht, kann es mehr als nur zu einer ausgewachsenen Depression führen.
Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, wie es wäre, zu nichts mehr nützlich zu sein. Im Rentenalter wird es vielleicht von anderen akzeptiert. Aber auch von mir?
Tiere denken nicht so. Vermute ich mal. Unsere Katzen handeln nicht nach der Devise, ob die Auswirkungen ihres Tuns für sie einen Nutzen bringen. Sie berechnen nicht, sind in ihrer Art und Weise einfach da.
Jeden Nutzen interpretieren und bewerten wir aus der Sicht des Menschen. Wir können es nicht anders. Nützlich sein ist allein ein menschlicher Bewertungsmaßstab. Was unnütz ist, hat keinen Wert.
Wie würde die Welt sein, wenn es anders wäre? Wenn wir die Kategorien des Nutzens abschaffen würden. Eine Wirklichkeit ohne Bewertung, ohne Kosten-Nutzen-Analyse. Wenn einfach alles einfach da sein darf, mit seiner Aufgabe, seiner Funktion, seinem Platz in einem ökologischen System. Weil es einfach da ist. So wie es ist. Und weil wir Menschen alles dafür machen, dass es da sein kann.
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