Was macht mich stark?

Graue Katze Karo mit langem Fell sitzt auf einem Tisch und schaut direkt in die Kamera. Im Hintergrund sind ein Kerzenhalter und ein Buch sichtbar.

Macht es mich stark, wenn unsere Wirtschaft stark ist? Wenn es wirtschaftliches Wachstum gibt? Wenn wir diesen Gedanken blindlings glauben: Das ich im finanziellen Wohlstand leben muss, um glücklich zu sein?

CDU-Wirtschaftsrat

Steuersenkungen und Kahlschlag im Sozialen gefordert

Stand: 01.02.2026 10:02 Uhr

Viele Arbeitslose, die Wirtschaft in der Krise und kein Aufschwung in Sicht. Daher fordert der Wirtschaftsrat der CDU Steuersenkungen und die Streichung von Sozialleistungen – selbst Zahnarztbesuche sollten privat bezahlt werden müssen.

Der Wirtschaftsrat der CDU erhöht nach einem Bericht der Bild am Sonntag den Druck auf die Bundesregierung und fordert eine „Agenda für Arbeitnehmer“…..

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/wirtschaftrat-steuersenkung-100.html

Macht mich eine einseitige „Agenda für Arbeitnehmer“ stark, für Menschen, die immer mehr verdienen werden müssen, um sich die Zahnbehandlung leisten zu können? Gegen Menschen, die sich beispielsweise Gesundheit nicht mehr leisten können.

Wird das die Kluft zwischen sozialen Schichten nicht weiter vergrößern? Wer gewinnt dabei?

Was macht mich stark? Ist es wirklich das materielle Einkommen, das ich habe? Das, was ich mir leisten kann? Oder muss? Das, was ich mir immer wieder Neues gekauft habe? 

Oder ist es die Macht, die ich habe? Die Menschen, die mir folgen? Die Leute, die für mich arbeiten, die zu mir hochblicken? 

Ist meine Stärke die Schönheit des Zeitgeschmacks, die ich erfülle? Meine Muskeln, meine sexuelle Anziehungskraft. Oder die Möglichkeit mir als Mann andere Menschen und alles überhaupt zu nehmen?

Für viele Menschen scheint das so. Auch aus der Sicht der Wirtschaft, sie baden in ihrer Macht und ihrem Luxus. Es ist eine Sucht, wir brauchen immer mehr. Das Auto ist zu alt, ist zu wenig exklusiv, das Haus ist zu klein. 

Und der andere hat doch viel mehr. Das will ich auch, in meiner Eifersucht.

Siehe doch: Die Angestellten arbeiten viel zu selbstständig. Suchen ihren eigenen Vorteil. Also muss ich meine Autorität zeigen. Stärke zeigen macht mich stark.

So glauben viele. Bestimmt auch, weil dass das Prinzip der Leistungsgesellschaft ist, des Kapitalismus, in dem wir leben. 

Problem unserer Zeit

Aber, und das ist das Problem unseres Zeitalters, dieses Denken verstellt meiner Ansicht nach den Blick auf das, was uns eigentlich stark macht. Auf das, um was es wirklich geht. 

Stark macht mich, dass ich authentisch bin. Dass die Menschen mich sehen können und dürfen. Dass ich mich nicht hinter Schein und Lügen verstecken muss. Nicht vor dem, der ich sein möchte. Nicht vor denen, die mich sehen möchten. Mich dabei nicht einfach aufzwingen, sondern hinzuschauen, was ist und sein kann.

Stark macht mich das Leid, das ich erfahren habe. Stark macht mich der kaputte Vater meiner Kindheit. Weniger er als Mensch. Viel mehr die Gedanken, die Auseinandersetzung über ihn.

Stark macht mich der Schmerz, den ich erfahren musste, auch die Leere und Verzweiflung. Nicht weil ich masochistisch veranlagt bin. Sondern weil all das mich anregt, auf meiner Suche zu sein nach meinen Werten, nach meiner Persönlichkeit. 

Stark macht mich das erlebte Alleinsein. Weil ich so weiß, dass ich auch alleine zu Recht kommen kann. Ich kann selbstständig handeln. Brauche davor keine Angst zu haben, zu verhungern oder zu verwahrlosen.

Mich macht stark, weil ich lieben kann. Sehe, wie wichtig, wesentlich und wertvoll Liebe ist. Liebe macht uns stark. Es ist für mich der Grund zu leben. Warum wir leben. Weil in Liebe neues Leben entstehen kann. Liebende Eltern, die ihre Kinder in die Welt begleiten. Ihnen den Rücken stärken, ihren eigenen Weg zu finden.

Kraft gibt mir das Gefühl, mitfühlen zu können. Mitfühlen. Nicht immer weiß ich, wie ich mich richtig verhalten kann. Kaum kann ich die Erwartungen anderer erfüllen. 

Stark macht mich „Fehler“ nicht als „Fehler“ zu sehen. In nichts einseitig nur das eine zu sehen. Alles hat viele Seiten, ist nicht nur gut oder nur schlecht. Und mein Kopf ist rund um die Richtung des Denkens zu wechseln. Nicht, um inkonsequent meine Fahne im Wind zu halten. Viel mehr, um möglichst viele Seiten zu beleuchten, möglichst keinen Vorurteilen zu folgen und nicht vorzuverurteilen.

Stark macht mich schon eine Haltung zu haben. Aber keinen anderen, für den Weg zu verachten den es braucht, damit seine Haltung Ausdruck findet. Oft braucht es eben Wendungen und Irrwege, nicht selten nahe am Abgrund. 

Stark macht es mich zu wissen, dass ich wie kein anderer perfekt bin. Was heißt das auch? Wir sind auf dem Weg. Das Leben ist ein Prozess der Veränderung.

Stark macht mich zu wissen, dass wir immer auch von den Umständen und dem Zeitgeschehen, dem vorherrschenden Denken, abhängig sind. Wenn um mich herum bestimmte Werte vermittelt werden, ist es oft sehr schwer, sich aus diesen zu lösen. Auch Freiheit ist relativ. 

Stark macht es mich zu versuchen, das Leben in diesem Licht einzuordnen. Ich bin ein Teil der Gesellschaft. In dieser Zeit. Wenn ich in einer anderen Zeit leben würde, wäre mein Denken, mein Leben ein anderes.

Stark macht es mich aber auch zu denken, dass vieles nicht gut ist, was heute passiert. Aber einiges doch. Paradox ist zu sehen, dass wir in einer sehr gefährlichen Zeit leben, in der sich das Recht des Einzelnen gegen ein soziales und solidarisches Miteinander durchzusetzen scheint. Wie anders ist nicht nur der CDU-Wirtschaftsrat wohl zu verstehen?

Stark macht mich die fassungslose Traurigkeit darüber. Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte. Einzelne möchten in ihrem Wahn alles unterwerfen, alleine, um ihren persönlichen Egoismus zu befriedigen und unsterblich zu werden.

Gegen jegliche Vernunft für ein Recht zu Leben.

0 Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar! Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Name und E-Mail-Adresse werden ausschließlich für diese Kommentarfunktion verwendet und nicht an Dritte weitergegeben.

Schreibe einen Kommentar