Erfahrungen und Fotos aus Erfurt

Panorama der Stadt Erfurt mit dicht gedrängten roten Ziegeldächern, markanten Kirchtürmen und historischen Gebäuden unter einem Himmel mit Sonnenstrahlen

Diese drei „genießerischen“ Erfahrungen unserer Wochenendtrips nach Erfurt könnten unterschiedlicher kaum sein.

Auf dem Weg nach Erfurt hielten wir in einem McDonald’s in Merseburg – weniger aus Lust als aus Notwendigkeit. Die Toilette war dringend, eine kleine Stärkung schien sinnvoll. Doch der Appetit verflüchtigte sich schnell: In den sanitären Anlagen klebten wir beinahe am Boden fest. Am Bestellterminal, das uns mit penetranten Nachfragen konfrontierte, orderten wir schließlich zwei heiße Schokoladen – auch, weil ein Großteil der Kaffeespezialitäten nicht verfügbar war. Das Getränk schmeckte eindimensional süß. Auf den bunten Kunststoffpolstern sammelte sich der Schmutz der Jahre in den Vertiefungen, und jede Bewegung erzeugte ein unangenehm klebriges Geräusch an meiner Lederjacke. Fast Food war nie mein Fall, aber selbst die unscheinbaren Dinge am Rand des Angebots wirkten früher solider – und vor allem sauberer. Es ist traurig, zu sehen, was eine solche Kette einbüßt, wenn nur noch der Umsatz zählt und nicht mehr Service oder Zustand der Einrichtung.

Während wir auf die Straßenbahn warteten, meldeten sich Durst und ein leichter Hunger. Das Café Elisa schien dafür spontan geeignet. Ein Blick in die Speisekarte genügte jedoch, um unseren Appetit wieder zu dämpfen; wir beließen es bei einem Milchkaffee und einer heißen Schokolade. Die gestylte Bedienung quittierte unsere Zurückhaltung mit kaum verhohlener Missbilligung, so empfanden wir es jedenfalls. Acht Euro für eine einfache Waffel erschienen uns schlicht überzogen. Sanfte Rosatöne und goldfarbene Löffel haben offenbar ihren Preis. Zwei nicht beschilderte Unisex-Toiletten deuteten darauf hin, wo die Prioritäten nicht liegen. Stattdessen werden alle konsequent geduzt und mit „mein Liebe“ oder „meine Liebe“ angesprochen – eine Vertraulichkeit, die sehr „in“ erscheint, doch eher aufgesetzt wirkt. Am Nebentisch saßen sich zwei, dem Ort angepasste, geschminkte junge Frauen gegenüber, sprachen kaum miteinander, aber scrollten an ihren Smartphones durch Fotos, die dem Ambiente bis ins Detail zu gleichen schienen. Wie lange ein solches Modecafé im Trend bestehen kann, bleibt fraglich. Viel Oberfläche, wenig Substanz. Immerhin: Der Milchkaffee war in Ordnung.

Am späten Nachmittag stand uns der Sinn nach echter Thüringer Küche. Meine Liebste und ich wählten das Gasthaus Feuerkugel, einen traditionsreichen Ort regionaler Gastlichkeit. Da wir uns kurzfristig entschieden hatten, setzten wir auf Glück. Bereits um 17 Uhr waren die meisten Tische belegt oder reserviert. Doch eine erfahrene, ausgesprochen freundliche Kellnerin beriet sich kurz mit ihrer Kollegin: „Nein, wir lassen sie nicht gehen, wir disponieren um.“ Kurz darauf saßen wir an einem schönen Platz, unter einem Gruppenfoto des Erfurter Männerchors von 1917. Die Einrichtung: rustikal und historisch, mit großen Lampenschirmen, holzvertäfelten Wänden und schlichten, massiven Möbeln – zeitlos, ohne inszenierte Nostalgie. Das Gasthaus wurde 1587 erstmals urkundlich erwähnt und zuletzt 2001 nach historischen Plänen saniert. Bestellt wurde klassisch im Gespräch, mit kleinen Nachfragen zwischendurch. Das Essen kam in angemessenem Tempo und erfüllte unsere Erwartungen: herzhaft, solide, schmackhaft. Am Nebentisch saßen zwei befreundete Männer und unterhielten sich rege. Nach dem Essen bezahlte einer der beiden per Smartphone und fotografierte anschließend den Beleg für seine Buchhaltung. Wir beglichen unsere Rechnung konventionell mit Karte. Beim Hinausgehen wurden wir noch an der Tür mit einem freundlichen Wunsch für ein gutes Wochenende verabschiedet. 

Fotos Erfurt 2026


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