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	<title>Depression &#8211; kuhrau.de</title>
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		<title>Was macht mich stark?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Feb 2026 12:58:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Depression]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<div><img width="1280" height="960" src="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_1528-1280x960.jpeg" class="wp-image-16575 avia-img-lazy-loading-not-16575 attachment-large size-large wp-post-image" alt="Graue Katze Karo mit langem Fell sitzt auf einem Tisch und schaut direkt in die Kamera. Im Hintergrund sind ein Kerzenhalter und ein Buch sichtbar." style="margin-bottom: 15px;" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_1528-1280x960.jpeg 1280w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_1528-800x600.jpeg 800w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_1528-400x300.jpeg 400w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_1528-768x576.jpeg 768w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_1528-1536x1152.jpeg 1536w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_1528-1500x1125.jpeg 1500w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_1528-705x529.jpeg 705w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_1528.jpeg 1920w" sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" title="Was macht mich stark? 1"></div>Macht es mich stark, wenn unsere Wirtschaft stark ist? Wenn es wirtschaftliches Wachstum gibt? Wenn wir diesem Gedanken blindlings glauben: Dass ich im finanziellen Wohlstand leben muss, um glücklich zu sein? CDU-Wirtschaftsrat Steuersenkungen und …]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div><img fetchpriority="high" width="1280" height="960" src="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_1528-1280x960.jpeg" class="wp-image-16575 avia-img-lazy-loading-not-16575 attachment-large size-large wp-post-image" alt="Graue Katze Karo mit langem Fell sitzt auf einem Tisch und schaut direkt in die Kamera. Im Hintergrund sind ein Kerzenhalter und ein Buch sichtbar." style="margin-bottom: 15px;" decoding="async" srcset="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_1528-1280x960.jpeg 1280w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_1528-800x600.jpeg 800w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_1528-400x300.jpeg 400w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_1528-768x576.jpeg 768w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_1528-1536x1152.jpeg 1536w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_1528-1500x1125.jpeg 1500w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_1528-705x529.jpeg 705w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_1528.jpeg 1920w" sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" title="Was macht mich stark? 2"></div><p class="opener">Macht es mich stark, wenn unsere Wirtschaft stark ist? Wenn es wirtschaftliches Wachstum gibt? Wenn wir diesem Gedanken blindlings glauben: Dass ich im finanziellen Wohlstand leben muss, um glücklich zu sein?</p>
<blockquote><p>CDU-Wirtschaftsrat</p>
<h3>Steuersenkungen und Kahlschlag im Sozialen gefordert</h3>
<p>Stand: 01.02.2026 10:02 Uhr</p>
<p>Viele Arbeitslose, die Wirtschaft in der Krise und kein Aufschwung in Sicht. Daher fordert der Wirtschaftsrat der CDU Steuersenkungen und die Streichung von Sozialleistungen &#8211; selbst Zahnarztbesuche sollten privat bezahlt werden müssen.</p>
<p>Der Wirtschaftsrat der CDU erhöht nach einem Bericht der Bild am Sonntag den Druck auf die Bundesregierung und fordert eine „Agenda für Arbeitnehmer“&#8230;..</p></blockquote>
<p><a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/wirtschaftrat-steuersenkung-100.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/wirtschaftrat-steuersenkung-100.html</a></p>
<p>Macht mich eine einseitige „Agenda für Arbeitnehmer“ stark, für Menschen, die immer mehr verdienen werden müssen, um sich die Zahnbehandlung leisten zu können?<span class="Apple-converted-space"> Gegen Menschen, die sich insbesondere Gesundheit nicht mehr leisten können.</span></p>
<p>Wird das die Kluft zwischen sozialen Schichten nicht weiter vergrößern? Wer gewinnt dabei?</p>
<p>Was macht mich stark? Ist es wirklich das materielle Einkommen, das ich habe? Das, was ich mir leisten kann? Oder muss? Das, was ich mir immer wieder Neues gekauft habe?<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Oder ist es die Macht, die ich habe? Die Menschen, die mir folgen? Die Leute, die für mich arbeiten, die zu mir hochblicken?<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ist meine Stärke die Schönheit des Zeitgeschmacks, die ich erfülle? Meine Muskeln, meine sexuelle Anziehungskraft. Oder die Möglichkeit, mir als Mann andere Menschen und alles überhaupt zu nehmen?</p>
<p>Für viele Menschen scheint das so. Auch aus der Sicht der Wirtschaft: Sie badet in ihrer Macht und ihrem Luxus. Es ist eine Sucht, wir benötigen immer mehr. Das Auto ist zu alt, ist zu wenig exklusiv, das Haus ist zu klein.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Und der andere hat doch viel mehr. Das will ich auch, in meiner Eifersucht.</p>
<p>Sieh doch: Die Angestellten arbeiten viel zu selbstständig. Suchen ihren eigenen Vorteil. Also muss ich meine Autorität zeigen. Stärke zeigen macht mich stark.</p>
<p>So glauben viele. Bestimmt auch, weil das Prinzip der Leistungsgesellschaft ist, des Kapitalismus, in dem wir leben.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<h3>Problem unserer Zeit</h3>
<p>Aber, und das ist das Problem unseres Zeitalters, trübt dieses Denken meiner Ansicht nach den Blick auf das, was uns eigentlich stark macht. Auf das, worum es wirklich geht.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Stark macht mich, dass ich authentisch bin. Dass die Menschen mich sehen können und dürfen. Dass ich mich nicht hinter Schein und Lügen verstecken muss. Nicht vor dem, der ich sein möchte. Nicht vor denen, die mich sehen möchten. Mich dabei nicht einfach aufzwingen, sondern hinzuschauen, was ist und sein kann.</p>
<p>Stark macht mich das Leid, das ich erfahren habe. Stark macht mich der kaputte Vater meiner Kindheit. Weniger er als Mensch. Viel mehr die Gedanken, die Auseinandersetzung über ihn.</p>
<p>Stark macht mich der Schmerz, den ich erfahren musste, auch die Leere und Verzweiflung. Nicht weil ich masochistisch veranlagt bin. Sondern weil all das mich anregt, auf meiner Suche zu sein nach meinen Werten, nach meiner Persönlichkeit.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Stark macht mich das erlebte Alleinsein. Weil ich so weiß, dass ich auch alleine zu Recht kommen kann. Ich kann selbstständig handeln. Brauche davor keine Angst zu haben, zu verhungern oder zu verwahrlosen.</p>
<p>Mich macht stark, weil ich lieben kann. Sehe, wie wichtig, wesentlich und wertvoll Liebe ist. Liebe macht uns stark. Es ist für mich der Grund zu leben. Warum wir leben. Weil in Liebe neues Leben entstehen kann. Liebende Eltern, die ihre Kinder in die Welt begleiten. Ihnen den Rücken stärken, ihren eigenen Weg zu finden.</p>
<p>Kraft gibt mir das Gefühl, mitfühlen zu können. Mitfühlen. Nicht immer weiß ich, wie ich mich richtig verhalten kann. Kaum kann ich die Erwartungen anderer erfüllen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Stark macht mich, „Fehler“ nicht als „Fehler“ zu sehen. In nichts einseitig, nur das eine zu sehen. Alles hat viele Seiten, ist nicht nur gut oder ausschließlich schlecht. Und mein Kopf ist rund, um die Richtung des Denkens zu wechseln. Nicht, um inkonsequent meine Fahne im Wind zu halten. Vielmehr, um möglichst viele Seiten zu beleuchten, möglichst keinen Vorurteilen zu folgen und nicht vorzuverurteilen.</p>
<p>Stark macht mich schon, eine Haltung zu haben. Aber keinen anderen, den Weg zu verachten, den es braucht, damit seine Haltung Ausdruck findet. Oft braucht es eben Wendungen und Irrwege, nicht selten nahe am Abgrund.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Stark macht es mich, zu wissen, dass ich wie kein anderer perfekt bin. Was heißt das auch? Wir sind auf dem Weg. Das Leben ist ein Prozess der Veränderung.</p>
<p>Stark macht mich zu wissen, dass wir immer auch von den Umständen und dem Zeitgeschehen, dem vorherrschenden Denken, abhängig sind. Wenn um mich herum bestimmte Werte vermittelt werden, ist es oft sehr schwer, sich aus diesen zu lösen. Auch Freiheit ist relativ.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Stark macht es mich, zu versuchen, das Leben in diesem Licht einzuordnen. Ich bin ein Teil der Gesellschaft. In dieser Zeit. Wenn ich in einer anderen Zeit leben würde, wäre mein Denken, mein Leben ein anderes.</p>
<p>Stark macht es mich aber auch zu denken, dass vieles nicht gut ist, was heute passiert. Aber einiges doch. Paradox ist zu sehen, dass wir in einer sehr gefährlichen Zeit leben, in der sich das Recht des Einzelnen gegen ein soziales und solidarisches Miteinander durchzusetzen scheint. Wie anders ist nicht nur der CDU-Wirtschaftsrat wohl zu verstehen?</p>
<p>Stark macht mich die fassungslose Traurigkeit darüber. Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte. Einzelne möchten in ihrem Wahn alles unterwerfen, alleine, um ihren persönlichen Egoismus zu befriedigen und unsterblich zu werden.</p>
<p>Gegen jegliche Vernunft für ein <a title="Recht zu Leben" href="https://kuhrau.de/recht-zu-leben/" target="_blank" rel="noopener">Recht zu leben</a>.</p>
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		<title>Depression</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Sep 2022 09:28:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Depression]]></category>
		<category><![CDATA[Freitod]]></category>
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					<description><![CDATA[<div><img fetchpriority="high" width="1000" height="668" src="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372.jpg" class="wp-image-5606 avia-img-lazy-loading-not-5606 attachment-large size-large wp-post-image" alt="Hiddensee" style="margin-bottom: 15px;" decoding="async" srcset="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372.jpg 1000w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-400x267.jpg 400w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-200x134.jpg 200w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-300x200.jpg 300w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-768x513.jpg 768w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-705x471.jpg 705w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-58x39.jpg 58w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" title="Depression 3"></div>Anton hat Depressionen. Immer wieder, schon seit seiner Jugend. Heute schafft er es nicht zur Arbeit ins Büro. Es wird immer später, er kann sich nicht aufraffen und aufstehen. Anton bleibt einfach liegen, mit geschlossenen Augen. Sein Körper ist …]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div><img fetchpriority="high" width="1000" height="668" src="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372.jpg" class="wp-image-5606 avia-img-lazy-loading-not-5606 attachment-large size-large wp-post-image" alt="Hiddensee" style="margin-bottom: 15px;" decoding="async" srcset="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372.jpg 1000w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-400x267.jpg 400w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-200x134.jpg 200w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-300x200.jpg 300w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-768x513.jpg 768w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-705x471.jpg 705w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-58x39.jpg 58w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" title="Depression 4"></div><p class="opener">Anton hat Depressionen. Immer wieder, schon seit seiner Jugend. Heute schafft er es nicht zur Arbeit ins Büro. Es wird immer später, er kann sich nicht aufraffen und aufstehen. Anton bleibt einfach liegen, mit geschlossenen Augen. Sein Körper ist wie gelähmt, dafür kreisen seine Gedanken schon Stunden wild umher. Anton macht sich Sorgen, seine Angstzustände werden stärker. „Schaffe ich alles?“, fragt er sich ständig. Und wie? Werde ich der Verantwortung, die ich trage, gerecht? Kümmere ich mich zu wenig um meine Familie, meine Freunde, in meinem Job? Fragen über Fragen, denkt Anton.</p>
<p>„Sie versuchen immer wieder, Probleme zu lösen, die es so vielleicht nie geben wird“, sagte seine Therapeutin vor einiger Zeit während einer Sitzung. Wovor sie bewusst Angst haben, passiert sehr wahrscheinlich nie. Über ungelegte Eier braucht man sich keine Sorgen zu machen. Wieder so ein „guter“ Tipp, mit dem Anton dennoch sehr wenig anfangen kann.</p>
<h3>Alltägliche Dinge werden immer schwerer</h3>
<p>Lebensmittel einkaufen, unter vielen Menschen sein, schafft er nur sehr mühsam. Anton bekommt Schweißausbrüche, wenn er nur daran denkt. Seit Neuestem lässt er sich die Lebensmittel nach Hause liefern.</p>
<p>Wie kantige Felsen lasten seine Gedanken auf seinen Schultern. Überlasten seinen Körper. Gestern ging der Anruf seines Sohnes ihm an die Nieren. Martin hatte ein Problem. Wie kann er ihm nur helfen? Anton sucht nach Wegen, nach Lösungen, und grübelt stundenlang. Sucht im Internet nach Möglichkeiten. Martin meinte: Mache dir keine Gedanken, umso mehr Gedanken macht er sich. Natürlich weiß er, dass Martin sein eigenes Leben hat. Als Vater, und auch als Freund, wie Martin oft sagt, muss er eigentlich nur zuhören. Nichts mehr. Und dann darf er seinen eigenen Tag leben. Aber das schafft er nicht. Wie klein bin ich doch.</p>
<p>Das Telefon klingelt. Er lässt es läuten. Bestimmt ist es seine Kollegin Isolde. Es war eine Besprechung geplant. Sie ist die Einzige auf der Arbeit, die versucht, auf ihn zuzugehen. Sich um ihn bemüht. Sein Kollege, am Schreibtisch gegenüber, ist überzeugt, dass es reicht, in jeder Situation die Pobacken zusammenzukneifen. Eine solche Leichtigkeit fehlt Anton.</p>
<h3>Alle duzen sich im Büro</h3>
<p>Scheinen immer so freundlich, so kollegial. Wie auf einen Maskenball, denkt Anton. Als Isolde neulich andeutete, was alles über ihn in der Kantine erzählt wird, und schlimmer, wie viele über ihn lachen, da wurde er vor Verletztheit ganz still. Mit einem Nicken verabschiedete er sich. Weglaufen ist seine Lösung.</p>
<p>„Ein Indianer kennt keinen Schmerz“, sagte sein Vater so oft. Ein Mann heult nicht. Nun grübelt er, und weiß keinen Weg. Immer wieder tief getroffen. Lange Jahre Therapie verpuffen im Nirwana. Fast alle Pillen hat er abgesetzt. Er wollte sich wieder selbst wahrnehmen. Und raus aus dem Nebel der Gefühle ohne Höhen und Tiefen. Das hat er jetzt davon.</p>
<p>„Ist doch nicht so schlimm“, wiegelt Manfred, sein Kumpel, ab, als Anton ihm vor einigen Tagen erzählte, dass es ihm gerade nicht so gut geht. „Denk doch einfach positiv, dann wird es schon wieder“, meinte Manfred, nur um danach von seinem Urlaub zu erzählen und wie toll doch alles war. Das Einfache ist unmöglich, für ihn.</p>
<p>Es klingelt wieder, dieses Mal an der Tür. Schon mittags. Alle Rollos sind unten, verdunkeln die Zimmer. Er hört den Schlüssel in der Wohnungstür. Martin setzt sich zu ihm ans Bett. Du, mich hat Isolde angerufen, da bin ich gleich hergekommen, sagt er nur. Martin ist anders, er sitzt einfach nur da. „Bei mir ist alles klar“, meint Martin zu seinen eigenen Schwierigkeiten. Er macht keinen Druck, keine Vorwürfe. Er macht auch kein Licht und keinen Kaffee. Aber er ist da. Anton bleibt stumm. Stunden später geht Martin wieder. Wenige Worte wurden gesprochen. Anton bleibt alleine, hat kaum gespürt, dass sein Sohn überhaupt da war. Anton fühlt sich, mit seinen eigenen Gedanken, wie so oft, alleine. Zu oft. Nicht einsam, nein, aber alleine.</p>
<h3>Ich bin alleine, in dieser Welt</h3>
<p>Dass das so nicht stimmt, begreift er nicht. Kann es nicht realisieren. Sich selbst in die Augen sehen, bis tief in die Seele, sich selbst nicht zu belügen, die Sinne wirklich zu öffnen, das ist für Anton unendlich schwer. Denn der Schmerz, die Traurigkeit, die Gefühle, würden Anton überwältigen. Er kann sein Leben nicht wahrnehmen, das Besondere, das Schöne. Er kann keine Kraft aus seinem Leben finden. Wie ein Riegel an einer schweren Tür schieben sich seine Depressionen davor. Da ist es leichter zu gehen.</p>
<p>Vor sechs Jahren kam sein Zusammenbruch, seine Ehe wurde geschieden, er kam in die Klinik. Er fand eine Therapeutin und gewann über Jahre mehr und mehr Vertrauen zu ihr. Die Therapie half ihm, wieder auf die Beine zu kommen. Aber er merkte auch, dass viele Angebote für ihn nicht passten, weil sie nicht individuell auf ihn abgestimmt waren. So mochte er Gruppenspaziergänge gar nicht, er lief gerne schnell und wurde immer wieder zurückgehalten, wenn er zu weit vorlief. Jeder Mensch ist anders, da helfen oft keine Standards. Abgestempelt als einer, der sich nicht anpassen kann.</p>
<p>In der Menge mit schwimmen, war noch nie seine Sache. Das hat ihn früher sehr gewurmt, wenn alles, weil es so schön einfach ist, über einen Kamm gezogen wird. Oder in Schubladen abgelegt wird, aus denen kein Entkommen ist. Mittlerweile kann ihn das nicht mehr ärgern.</p>
<p>Martin ist wieder zurück, zusammen mit Isolde. Er hört beide in der Küche leise reden. Anton geht ins Bad, duscht, zieht sich seinen Anzug an. Mechanisch öffnet er das Fenster und lässt sich fallen, aus dem siebten Stock.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Nachwort. Depressionen und der Freitod sind Tabuthemen unserer Zeit. Ich habe versucht, mich in einen frei erfundenen Menschen hineinzuversetzen. Es ist eine Geschichte, nichts anderes.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
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		<title>Totschweigen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Aug 2022 11:20:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Depression]]></category>
		<category><![CDATA[Probleme unserer Zeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<div><img fetchpriority="high" width="1000" height="668" src="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858.jpg" class="wp-image-6459 avia-img-lazy-loading-not-6459 attachment-large size-large wp-post-image" alt="Usedom" style="margin-bottom: 15px;" decoding="async" srcset="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858.jpg 1000w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-400x267.jpg 400w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-200x134.jpg 200w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-300x200.jpg 300w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-768x513.jpg 768w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-705x471.jpg 705w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-58x39.jpg 58w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" title="Totschweigen 5"></div>Unser Viertel wurde im Krieg nur wenig zerstört. Ich bin alleine zu Hause. Mutter ist mit ihren alten Schuhen im Einkaufsnetz los zum Schuster. Die müssen mal wieder neu besohlt werden. Komisch nur, dass sie so spät am Nachmittag, kurz vor …]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div><img fetchpriority="high" width="1000" height="668" src="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858.jpg" class="wp-image-6459 avia-img-lazy-loading-not-6459 attachment-large size-large wp-post-image" alt="Usedom" style="margin-bottom: 15px;" decoding="async" srcset="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858.jpg 1000w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-400x267.jpg 400w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-200x134.jpg 200w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-300x200.jpg 300w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-768x513.jpg 768w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-705x471.jpg 705w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-58x39.jpg 58w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" title="Totschweigen 6"></div><p class="opener">Unser Viertel wurde im Krieg nur wenig zerstört. Ich bin alleine zu Hause. Mutter ist mit ihren alten Schuhen im Einkaufsnetz los zum Schuster. Die müssen mal wieder neu besohlt werden. Komisch nur, dass sie so spät am Nachmittag, kurz vor Feierabend, aufgebrochen ist. Wo Mutter wohl bleibt? Die alte Uhr im Wohnzimmer zeigt jetzt schon kurz vor neun. Warum hat Mutter sich den Lippenstift aufgelegt?</p>
<p>Vater kam nicht zurück. Ist im Krieg geblieben, sagt Großmutter nur. Auch mein Großvater und mein Onkel sind bisher nicht zurück. Vom Onkel kam ein kurzer, trauriger Brief aus seiner Kriegsgefangenschaft.</p>
<p>Gestern kam Großmutter zu uns, mit einem Beutel Kartoffeln. Zusammen mit meinem Onkel. Seit Langem kochte Mutter wieder Pellkartoffeln. Das rechte Bein meines Onkels ist steif. Sein Gesicht schimmert grau, seine Hosen schlackern lose um seine dürren Knochen. Alt sieht er aus, mit 25 wirkt er wie über 50. Über seine Kriegserlebnisse schweigt er, gestern, heute und auch morgen. Jeden Tag dunkles Schweigen. Totschweigen. Scheint wohl richtig zu sein.</p>
<p>Dass mein Onkel homosexuell war, haben wir auch erst nach seinem plötzlichen Ableben zufällig erfahren. Nicht etwa, dass jemand darüber geredet hätte.</p>
<p>Umzug. Heute sind Mutter und ich beim Schuster in sein Haus eingezogen. „Keine Diskussion“, meinte Mutter ein paar Tage vor ihrer Hochzeit.</p>
<p>Zu meinem Geburtstag hat mein Stiefvater mir ein Kleid geschenkt. Ich weiß gar nicht, warum ich mich darüber nicht so richtig freuen kann. Wenn er und ich alleine zu Hause sind, fordert er mich auf, das Kleid anzuziehen. Ich schlafe jetzt öfter bei meiner Freundin.</p>
<p>Eklig. Ich kann gar nicht aufhören zu weinen. Letzte Nacht kam er einfach in mein Zimmer geschlichen. Er hat mir verboten, etwas zu sagen. Du machst sonst alles kaputt, daran hast du dann Schuld. Du bist doch selbst schuld, wie du immer herumläufst.</p>
<p>„Wie war dein Tag?“, fragt Mutter. Alles gut, lüge ich. Mutter ahnt nichts. Weiß nichts. Jeden Mittag kommt ein warmes Essen auf den Tisch, sonntags mit Fleisch. Ich hasse ihn.</p>
<p>Keiner wird mir glauben.</p>
<p>Es ist einfacher, einer Unwahrheit zu glauben. Der immer witzige Schuster. Das kann doch nicht sein. Meine beste Freundin hat nur ihren neuen Freund im Kopf. Mutter hat keine Zeit. Meine Halbschwester ist immer die kleine Süße. Ich bin alleine mit all dem. Schweigen scheint wohl das Beste zu sein, in meiner unendlichen Scham.</p>
<p>Ich habe mein Abi geschafft. In ein paar Tagen ziehe ich endlich aus.</p>
<p>Der Schuster ist tot. Auf seiner Beerdigung waren alle sehr traurig. Ein so lebenslustiger, herzensguter Mensch wird uns fehlen, sagten alle. Keiner hat ihn wirklich gekannt, so wie ich sein wahres Gesicht gesehen habe. Er versteckte sich immer hinter seiner Fassade. Ich werde schweigen, auch mein Freund. Ob ich ihn liebe, weiß ich nicht, aber er ist sympathisch, wird mein Geheimnis nie erfahren. Ich habe keine Worte dafür. Vielleicht, hoffentlich vergesse ich alles einmal.</p>
<p>Den zweiten Mann meiner Oma habe ich nie kennengelernt, ich weiß nur, dass er Schuster war. Wie tief das Trauma von Mama ist, kann ich nicht im Entferntesten erahnen. Mit ihrem Älterwerden wiegt es immer schwerer. Ich würde mir so sehr wünschen, dass sie darüber redet. Wenigstens fängt sie an, zu erzählen. Papa, den Mama seit ihrer Jugend von zu Hause kennt, mit dem sie als ganz junge Frau weggezogen ist, weiß nichts. Sie hat nie etwas gesagt, nicht mal angedeutet, meint Papa kopfschüttelnd. Alle anderen, die etwas wissen könnten, sind tot. Die im Schweigen meiner Mama gehüllte Stimmung drückt schon immer auch auf meine Seele. Es ist so schön und doch so schwer, nach Hause zu kommen. Mein Liebster und ich können es nur anders machen. Nur anders leben.</p>
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