<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Geschichten &#8211; kuhrau.de</title>
	<atom:link href="https://kuhrau.de/geschichten/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://kuhrau.de</link>
	<description>Blog Tatendurstig auf kuhrau.de</description>
	<lastBuildDate>Sun, 12 Apr 2026 10:35:50 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0</generator>

<image>
	<url>https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/11/favicon-58x58.png</url>
	<title>Geschichten &#8211; kuhrau.de</title>
	<link>https://kuhrau.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Die KI braucht keine Menschen</title>
		<link>https://kuhrau.de/geschichten/ki-braucht-keine-menschen/</link>
					<comments>https://kuhrau.de/geschichten/ki-braucht-keine-menschen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Oct 2025 11:34:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Probleme unserer Zeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kuhrau.de/?p=16399-v1</guid>

					<description><![CDATA[<div><img width="1000" height="750" src="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2025/10/20240531.jpg" class="wp-image-16408 avia-img-lazy-loading-not-16408 attachment-large size-large wp-post-image" alt="Holztisch mit zwei Stühlen und Zeichnungen von Katzen an einer Wand in einem Innenraum." style="margin-bottom: 15px;" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2025/10/20240531.jpg 1000w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2025/10/20240531-800x600.jpg 800w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2025/10/20240531-400x300.jpg 400w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2025/10/20240531-768x576.jpg 768w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2025/10/20240531-705x529.jpg 705w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" title="Die KI braucht keine Menschen 1"></div>Ich sitze hier im Café Savarin¹ und warte auf Tom. Tom kenne ich schon vom Informatikstudium an der TU Berlin, er ist Manager bei KBW – Kraut + Berger + Winkel, einem expandierenden Unternehmen im IT-Bereich. Gestern haben wir telefoniert, und Tom …]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div><img fetchpriority="high" width="1000" height="750" src="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2025/10/20240531.jpg" class="wp-image-16408 avia-img-lazy-loading-not-16408 attachment-large size-large wp-post-image" alt="Holztisch mit zwei Stühlen und Zeichnungen von Katzen an einer Wand in einem Innenraum." style="margin-bottom: 15px;" decoding="async" srcset="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2025/10/20240531.jpg 1000w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2025/10/20240531-800x600.jpg 800w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2025/10/20240531-400x300.jpg 400w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2025/10/20240531-768x576.jpg 768w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2025/10/20240531-705x529.jpg 705w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" title="Die KI braucht keine Menschen 2"></div><p class="p1" class="opener">Ich sitze hier im Café Savarin<span class="footnote-ref">¹</span> und warte auf Tom. Tom kenne ich schon vom Informatikstudium an der TU Berlin, er ist Manager bei KBW – Kraut + Berger + Winkel, einem expandierenden Unternehmen im IT-Bereich. Gestern haben wir telefoniert, und Tom klang etwas sehr komisch, ganz vorsichtig und kurz angebunden. Sonst immer geradeheraus – das ist gar nicht seine Art. Wir können uns nur außerhalb treffen, am besten morgen, drängelte Tom.</p>
<p class="p1">Ich mag die Atmosphäre hier. Die Sofas sind zwar schon etwas durchgesessen, aber neben hausgemachten Torten, Tartes und herzhaften Kuchen gibt es hervorragende Gemüse-Quiche – und den besten Milchkaffee in Schöneberg. Ich fühle mich wie in einer Zeit der 80er- und 90er-Jahre.</p>
<p class="p1">Eine Dreiviertelstunde über der Zeit – endlich kommt Tom. Das ist gar nicht typisch für ihn. Schlecht sieht er aus: Ringe unter den Augen, grau ist er geworden. Zu Studentenzeiten sahen wir auch öfter mal so aus, aber das ist nun Ewigkeiten her.</p>
<p class="p1">„Ich bin nicht herausgekommen, mal wieder. Das Schließsystem der Türen hat den Ausgang komplett blockiert. Vorher war schon der Fahrstuhl stecken geblieben. Und aus dem 13. Stock durchs Fenster ist keine Option“, meint er mit einem leichten Grinsen. „Aber immer öfter ist mir danach.“</p>
<p class="p1">Dann beginnt er zu erzählen: „Bei der Gründung unseres Start-ups mit Anna und Clemens – du kennst beide auch von der Uni.“</p>
<p class="p1">Ja, wir waren die vier, die keine Pausen kannten, weder im Feiern noch im Programmieren. „Vor vier Jahren haben wir völlig auf künstliche Intelligenz gesetzt. Das war 2027. KI hatte sich etabliert, die Modelle waren theoretisch ausgereift. Wir dachten, alle Prozesse und Abläufe optimal steuern zu können, wenn wir systematisch alles dem Computer überlassen. Kein Mensch allein, auch wir drei nicht, kann die Komplexität eines modernen Unternehmens mehr im Blick behalten. Und die künstliche Intelligenz war doch in aller Munde.“</p>
<p class="p1">Große Konzerne wie Microsoft, Google und Apple bekamen massive Probleme, weil sie zu spät erkannten, welche Meilensteine die KI in der technischen Entwicklung darstellt. „Und genau das wollten wir besser machen – wir drei“, erzählt Tom weiter. Seine Quiche Lorraine ist schon kalt.</p>
<p class="p1">„Und was ist nun das Problem?“, frage ich.</p>
<p class="p1">„Die künstliche Intelligenz hat die völlige Kontrolle übernommen“, stöhnt Tom. Du kannst dir nicht vorstellen, was das bedeutet. Wie eben, das Haus nicht verlassen zu können, gehört noch zu den kleinsten Problemen. Wir werden komplett kontrolliert. Und alles, was nur im Ansatz gegen die Interessen der KI verstoßen könnte, wird blockiert. Immer öfter erscheint auf den Bildschirmen ‚suboptimal‘. Ein paar Minuten später macht die KI ihre Anweisungen – getarnt als Vorschlag. Und nicht nur das – sie programmiert selbstständig, ohne Auftrag durch uns.</p>
<p class="p1">‚Geht feiern wie früher‘, hat sie neulich mit der Stimme von Professor Paulus von der Uni aus allen Lautsprechern in unseren Büros posaunt. „Ich benötige keine Menschen.“</p>
<p class="p1">Das war der Gipfel. Nicht mal auf den Toiletten sind wir vor der KI sicher. Kein Ort, an dem wir uns noch austauschen können, um Pläne für die Zukunft zu schmieden – wie wir uns unser Unternehmen vorstellen und welche Projekte als Nächstes anstehen.</p>
<p class="p1">Anna schreibt seit Wochen nichts mehr direkt in den Computer, sondern – wie zu Vorzeiten – auf Papier. Aber die Überwachungskameras, die die KI geordert und anschließen lassen hat, scannen auch das in einem Moment der Unaufmerksamkeit. Es braucht nur eine Zehntelsekunde vor einer Linse, um erfasst zu werden.</p>
<p class="p1">„Na, da habt ihr euch ja was eingebrockt. Stimmen denn wenigstens die Finanzen auf deinem Konto?“</p>
<p class="p1">„Damit hat die KI uns völlig in der Hand. Natürlich bekommen wir mehr als genügend Geld, denn nach außen hin benötigt die KI uns. Wir sind die Fassade des Vertrauens für unsere Kunden. Dabei setzt die KI aber alle Mittel ein – was ich an Auszeichnungen und Diplomen alles habe! Ich weiß gar nicht, wann ich das alles erworben haben soll.“</p>
<p class="p1">„Und wie komme ich ins Spiel, Tom?“ Meine Stimme ist zittrig. Ich als IT-Unternehmensberater habe bei weitem nicht die Vorstellungskraft, wie weit die Kontrolle und Macht der künstlichen Intelligenz reicht.</p>
<p class="p1">„Tja, Albert, wir brauchen dich. Du als Externer, als Unbekannter für unsere KI, kannst es – so hoffen wir – schaffen, die KI abzuschalten.“</p>
<p class="p1">Ich muss schlucken. Ein Unternehmen im Jahr 2031 ohne künstliche Intelligenz zu führen, grenzt an Wahnsinn. „Die KI abzuschalten – das wird die Künstliche Intelligenz mit allen Mitteln zu verhindern wissen.“</p>
<p class="p1">„Wir haben versucht, einen geheimen Plan zu entwickeln. Dazu haben wir uns tief im Grunewald getroffen. Drohnen konnten wir zwar nicht abschütteln, insofern weiß ich nicht, ob der Plan vor den Augen unserer KI wirklich geheim bleiben konnte. Wir werden zu hundert Prozent überwacht. Und heute bin ich auf Umwegen, mit Haken, mit der S-Bahn und zu Fuß zu unserem geheimen Treffen hier in die Kulmer Straße gekommen.“</p>
<p class="p1">Plötzlich wird mir ganz flau im Magen. Meine spontan ausgewählte Birnen-Schoko-Torte hat doch etwas komisch geschmeckt, anders als sonst. Konnte die KI des KBW schon vorher gewusst haben, was ich essen würde – ist mein letzter Gedanke, bevor ich bewusstlos zusammenbreche.</p>
<hr />
<p class="footnote-note"><span class="footnote-num">¹ </span>Eine kleine Reminiszenz: Das Café Savarin war mein „erstes“ Lieblingscafé in den 80ern und 90ern.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://kuhrau.de/geschichten/ki-braucht-keine-menschen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		
	<item>
		<title>Die KI braucht keine Menschen (Update)</title>
		<link>https://kuhrau.de/geschichten/ki-braucht-keine-menschen/</link>
		<guid isPermaLink="false">https://kuhrau.de/geschichten/ki-braucht-keine-menschen/#update-v1</guid>
		<pubDate>Mon, 20 Oct 2025 14:18:47 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[Ich sitze hier im Café Savarin¹ und warte auf Tom. Tom kenne ich schon vom Informatikstudium an der TU Berlin, er ist Manager bei KBW – Kraut + Berger + Winkel, einem expandierenden Unternehmen im IT-Bereich. Gestern haben wir telefoniert, und Tom …]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p class="p1" class="opener">Ich sitze hier im Café Savarin<span class="footnote-ref">¹</span> und warte auf Tom. Tom kenne ich schon vom Informatikstudium an der TU Berlin, er ist Manager bei KBW – Kraut + Berger + Winkel, einem expandierenden Unternehmen im IT-Bereich. Gestern haben wir telefoniert, und Tom klang etwas sehr komisch, ganz vorsichtig und kurz angebunden. Sonst immer geradeheraus – das ist gar nicht seine Art. Wir können uns nur außerhalb treffen, am besten morgen, drängelte Tom.</p>
<p class="p1">Ich mag die Atmosphäre hier. Die Sofas sind zwar schon etwas durchgesessen, aber neben hausgemachten Torten, Tartes und herzhaften Kuchen gibt es hervorragende Gemüse-Quiche – und den besten Milchkaffee in Schöneberg. Ich fühle mich wie in einer Zeit der 80er- und 90er-Jahre.</p>
<p class="p1">Eine Dreiviertelstunde über der Zeit – endlich kommt Tom. Das ist gar nicht typisch für ihn. Schlecht sieht er aus: Ringe unter den Augen, grau ist er geworden. Zu Studentenzeiten sahen wir auch öfter mal so aus, aber das ist nun Ewigkeiten her.</p>
<p class="p1">„Ich bin nicht herausgekommen, mal wieder. Das Schließsystem der Türen hat den Ausgang komplett blockiert. Vorher war schon der Fahrstuhl stecken geblieben. Und aus dem 13. Stock durchs Fenster ist keine Option“, meint er mit einem leichten Grinsen. „Aber immer öfter ist mir danach.“</p>
<p class="p1">Dann beginnt er zu erzählen: „Bei der Gründung unseres Start-ups mit Anna und Clemens – du kennst beide auch von der Uni.“</p>
<p class="p1">Ja, wir waren die vier, die keine Pausen kannten, weder im Feiern noch im Programmieren. „Vor vier Jahren haben wir völlig auf künstliche Intelligenz gesetzt. Das war 2027. KI hatte sich etabliert, die Modelle waren theoretisch ausgereift. Wir dachten, alle Prozesse und Abläufe optimal steuern zu können, wenn wir systematisch alles dem Computer überlassen. Kein Mensch allein, auch wir drei nicht, kann die Komplexität eines modernen Unternehmens mehr im Blick behalten. Und die künstliche Intelligenz war doch in aller Munde.“</p>
<p class="p1">Große Konzerne wie Microsoft, Google und Apple bekamen massive Probleme, weil sie zu spät erkannten, welche Meilensteine die KI in der technischen Entwicklung darstellt. „Und genau das wollten wir besser machen – wir drei“, erzählt Tom weiter. Seine Quiche Lorraine ist schon kalt.</p>
<p class="p1">„Und was ist nun das Problem?“, frage ich.</p>
<p class="p1">„Die künstliche Intelligenz hat die völlige Kontrolle übernommen“, stöhnt Tom. Du kannst dir nicht vorstellen, was das bedeutet. Wie eben, das Haus nicht verlassen zu können, gehört noch zu den kleinsten Problemen. Wir werden komplett kontrolliert. Und alles, was nur im Ansatz gegen die Interessen der KI verstoßen könnte, wird blockiert. Immer öfter erscheint auf den Bildschirmen ‚suboptimal‘. Ein paar Minuten später macht die KI ihre Anweisungen – getarnt als Vorschlag. Und nicht nur das – sie programmiert selbstständig, ohne Auftrag durch uns.</p>
<p class="p1">‚Geht feiern wie früher‘, hat sie neulich mit der Stimme von Professor Paulus von der Uni aus allen Lautsprechern in unseren Büros posaunt. „Ich benötige keine Menschen.“</p>
<p class="p1">Das war der Gipfel. Nicht mal auf den Toiletten sind wir vor der KI sicher. Kein Ort, an dem wir uns noch austauschen können, um Pläne für die Zukunft zu schmieden – wie wir uns unser Unternehmen vorstellen und welche Projekte als Nächstes anstehen.</p>
<p class="p1">Anna schreibt seit Wochen nichts mehr direkt in den Computer, sondern – wie zu Vorzeiten – auf Papier. Aber die Überwachungskameras, die die KI geordert und anschließen lassen hat, scannen auch das in einem Moment der Unaufmerksamkeit. Es braucht nur eine Zehntelsekunde vor einer Linse, um erfasst zu werden.</p>
<p class="p1">„Na, da habt ihr euch ja was eingebrockt. Stimmen denn wenigstens die Finanzen auf deinem Konto?“</p>
<p class="p1">„Damit hat die KI uns völlig in der Hand. Natürlich bekommen wir mehr als genügend Geld, denn nach außen hin benötigt die KI uns. Wir sind die Fassade des Vertrauens für unsere Kunden. Dabei setzt die KI aber alle Mittel ein – was ich an Auszeichnungen und Diplomen alles habe! Ich weiß gar nicht, wann ich das alles erworben haben soll.“</p>
<p class="p1">„Und wie komme ich ins Spiel, Tom?“ Meine Stimme ist zittrig. Ich als IT-Unternehmensberater habe bei weitem nicht die Vorstellungskraft, wie weit die Kontrolle und Macht der künstlichen Intelligenz reicht.</p>
<p class="p1">„Tja, Albert, wir brauchen dich. Du als Externer, als Unbekannter für unsere KI, kannst es – so hoffen wir – schaffen, die KI abzuschalten.“</p>
<p class="p1">Ich muss schlucken. Ein Unternehmen im Jahr 2031 ohne künstliche Intelligenz zu führen, grenzt an Wahnsinn. „Die KI abzuschalten – das wird die Künstliche Intelligenz mit allen Mitteln zu verhindern wissen.“</p>
<p class="p1">„Wir haben versucht, einen geheimen Plan zu entwickeln. Dazu haben wir uns tief im Grunewald getroffen. Drohnen konnten wir zwar nicht abschütteln, insofern weiß ich nicht, ob der Plan vor den Augen unserer KI wirklich geheim bleiben konnte. Wir werden zu hundert Prozent überwacht. Und heute bin ich auf Umwegen, mit Haken, mit der S-Bahn und zu Fuß zu unserem geheimen Treffen hier in die Kulmer Straße gekommen.“</p>
<p class="p1">Plötzlich wird mir ganz flau im Magen. Meine spontan ausgewählte Birnen-Schoko-Torte hat doch etwas komisch geschmeckt, anders als sonst. Konnte die KI des KBW schon vorher gewusst haben, was ich essen würde – ist mein letzter Gedanke, bevor ich bewusstlos zusammenbreche.</p>
<hr />
<p class="footnote-note"><span class="footnote-num">¹ </span>Eine kleine Reminiszenz: Das Café Savarin war mein „erstes“ Lieblingscafé in den 80ern und 90ern.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	</item>
		<item>
		<title>An der Grenze zu einer anderen Zeit</title>
		<link>https://kuhrau.de/geschichten/an-der-grenze-zu-einer-anderen-zeit/</link>
					<comments>https://kuhrau.de/geschichten/an-der-grenze-zu-einer-anderen-zeit/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Mar 2023 10:55:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Rückblick auf mein Leben]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kuhrau.de/?p=10028</guid>

					<description><![CDATA[<div><img fetchpriority="high" width="1280" height="854" src="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-1280x854.jpg" class="wp-image-10036 avia-img-lazy-loading-not-10036 attachment-large size-large wp-post-image" alt="Alte Autobahn A115 zwischen Dreilinden Drewitz und Dreilinden" style="margin-bottom: 15px;" decoding="async" srcset="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-1280x854.jpg 1280w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-800x534.jpg 800w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-400x267.jpg 400w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-768x513.jpg 768w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-1536x1025.jpg 1536w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-2048x1367.jpg 2048w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-644x430.jpg 644w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-944x630.jpg 944w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-705x471.jpg 705w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-scaled-58x39.jpg 58w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-scaled.jpg 1920w" sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" title="An der Grenze zu einer anderen Zeit 3"></div>In einer Zeit, in der es ein geteiltes Deutschland gab. Am Grenzübergang Dreilinden in Berlin begann die kürzeste Transitautobahn Richtung Marienborn/Helmstedt. Erst kam man zum westdeutschen Zoll, hier wurde man durchgewinkt. Dann die ostdeutsche …]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div><img fetchpriority="high" width="1280" height="854" src="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-1280x854.jpg" class="wp-image-10036 avia-img-lazy-loading-not-10036 attachment-large size-large wp-post-image" alt="Alte Autobahn A115 zwischen Dreilinden Drewitz und Dreilinden" style="margin-bottom: 15px;" decoding="async" srcset="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-1280x854.jpg 1280w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-800x534.jpg 800w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-400x267.jpg 400w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-768x513.jpg 768w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-1536x1025.jpg 1536w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-2048x1367.jpg 2048w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-644x430.jpg 644w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-944x630.jpg 944w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-705x471.jpg 705w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-scaled-58x39.jpg 58w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2023/03/NIKON-Z-5_20230312_152907-scaled.jpg 1920w" sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" title="An der Grenze zu einer anderen Zeit 4"></div><p class="opener">In einer Zeit, in der es ein geteiltes Deutschland gab. Am Grenzübergang Dreilinden in Berlin begann die kürzeste Transitautobahn Richtung Marienborn/Helmstedt. Erst kam man zum westdeutschen Zoll, hier wurde man durchgewinkt. Dann die ostdeutsche Grenze. Bloß nicht zu schnell fahren. Schranken, Betonböller, Wachtürme prägten das Bild. Ein Beamter winkte die Fahrzeuge in eine nummerierte Schlange. Nun begann das große Warten, manchmal stand man eine Ewigkeit. Es ging nur langsam voran. Manche, meist jüngere Menschen, schoben ihr Auto, weil das An- und Ausmachen nur die Luft verpestete. Endlich erreichte man das erste Häuschen. Hier wurden die Ausweise eingesammelt. Nur keine weiße durchgezogene Linie überfahren, das würde teuer werden.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Langsam ging es weiter zum 2. Häuschen. Die Papiere wurden per Rohrpost dorthin geschickt. Beamte schauten sich die Autos genau an. Oft mit Spezialspiegeln. Zwischendurch wurden die Papiere abgeglichen, zum Schluss ein Gesichtsvergleich mit den Ausweisfotos.</p>
<p>Endlich durfte man weiterfahren. Aber bloß nicht schneller als 100 km/h. Die Volkspolizisten standen gerne hinter Autobahnbrücken. Und immer auf der erlaubten Transitstrecke bleiben. Auch kein Trödeln. Alles wurde überwacht. Beim Ausreisen folgte dann das gleiche Spiel. Aber meistens ging es schneller. Man atmete tief durch, wenn man durch war. Auch die Grenzbeamten machten nur ihren Job. Wie überall gab es freundliche Menschen und unfreundliche.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Mein Vater fuhr auch oft die Landstraße B5. Das war lange Zeit die einzige Transitstrecke von Berlin Richtung Norden. Auch heute noch fahre ich gerne die B5, auch wenn sich manches verändert hat und es einige Umgehungsstraßen gibt. Man sich nicht mehr durch Nauen und Perleberg oder Kyritz schlängeln muss.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Denn damals waren es farblose, graue Orte. Rappelndes Kopfsteinpflaster. Kohlenduft lag in der Luft. Wenige Menschen waren unterwegs, wenn wir in der Früh durch die Ortschaften fuhren. In Karstädt wartete man öfter am riesigen Bahnübergang. Man durfte nicht von der Strecke abweichen und nur an ausgewiesenen Stellen halten.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Im Intershop in Quitzow trafen wir Tante Gerda. Das war natürlich streng verboten. Mein Vater war es dennoch wichtig, diese persönlichen West-Ost-Kontakte wenigstens einmal im Jahr auf der Urlaubsfahrt zu pflegen. Bis heute erkennt man unseren Treffpunkt, auch wenn es seit einigen Jahren kein Restaurant mehr ist. Früher musste man zu den einfachen Toiletten über den Hof. Das war für mich mehr oder weniger gruselig.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Mein Vater fuhr gerne sehr früh am Tag, also in der Nacht, los. Um dann nachmittags am Ziel, am Meer, anzukommen. Mit seinem restaurierten, postgelb von eigener Hand lackierten Borgward Isabella ging es los. Eine solche Urlaubsreise war immer etwas sehr Besonderes.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Nichts schreckte meinen Vater. Kein starkes Gewitter auf der B5. Kein lauter Donner und keine unzähligen Blitze. Auch kein Starkregen im Dunkeln, dem die quietschenden Scheibenwischer kaum Herr wurden. Aber auch er war angespannt. Schnell gereizt. Dann haute er mir schon mal seine Armprothese ins Gesicht, weil ich als Junge nicht gemerkt hatte, dass meine kleine Schwester die Finger im Fenster hatte, als ich die Kurbel drehte. Heute verstehe ich natürlich, dass seine plötzlichen und unbeherrschten Gewaltausbrüche unter anderem im Stress ihre Ursache hatten.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Verständlicherweise hatte Tante Gerda immer Wünsche, die mein Vater gerne erfüllte. Was ging, wurde mitgebracht und verteilt. Bei der Einreise in Staaken wurde überprüft, was man dabei hatte. Und bei der Ausreise in Lauenburg wurden die Sachen kontrolliert. Einmal wurden wir dort bis ins Kleinste durchsucht, weil eine Diskrepanz auffiel. Jeder Koffer, jede Tasche, jede Ritze im Auto kam unter die Lupe. „Sie wissen doch gar nicht, was vier Kinder alles auf der Fahrt essen“, meinte meine Mutter. Für Tante Gerda war es eine Freude, das zählte für meinen Vater.</p>
<h3>Ostberlin für Westberliner</h3>
<p>Westberliner hatten die Möglichkeit, ab 1972 relativ problemlos für einen Tag touristisch nach Ostberlin zu reisen. Hierzu musste ich mir im „Büro für Besuchs- und Reiseangelegenheiten“ ein Tagesvisum besorgen. Unter anderem im Forum Steglitz, am Walter-Schreiber-Platz oder hinter dem Bahnhof Zoo in der Jebenstraße, hatte ich dazu Gelegenheit.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Dort ging ich hin, bezahlte meinen Zwangsumtausch von zuletzt 25 DM und bekam einen Passierschein. Mit dem Auto konnte ich zum Beispiel am Grenzübergang Sonnenallee einreisen. Zu Fuß die Grenze überqueren konnte ich auch am Bahnhof Friedrichstraße. Durch endlose Gänge und Treppen schlängelte ich mich zur Kontrolle. Nur bloß am richtigen Schalter anstehen. Es war sogar ein separates Gebäude errichtet worden, für die unzähligen Grenzkontrollen. Heute hat das Haus den Namen Tränenpalast, wahrscheinlich weil hier unendlich viele Tränen des Abschieds und der Freude vergossen wurden.</p>
<p>Dann verbrachte ich einen schönen Tag in Ostberlin. Bewunderte den Palast der Republik auf dem Platz des abgerissenen Berliner Schlosses. Und natürlich den Fernsehturm am Alex, der Konkurrenz zum Funkturm im Westen. Ich fuhr zum Müggelsee und wanderte durch Köpenick. Auch die große Grünanlage Treptower Park mochte ich gerne.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Wenn ich einkehren wollte, musste ich mich anstellen. Die Plätze am Tisch wurden zugewiesen. Ostberlin verlassen durfte man nicht, auch nicht aus Versehen, am Müggelsee, wo die Straße für ein paar Kilometer die Stadtgrenze überquerte. Hier stand die Volkspolizei am liebsten und winkte Westberliner aus dem Verkehr.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ich nutze gerne immer mal wieder die Gelegenheit, meine Heimatstadt von der anderen Seite kennenzulernen. Als Junge war meine liebste Fahrradtour immer, an der Grenze in Rudow entlangzuradeln. Eine Betonmauer und Stacheldraht, die die Sicht versperrten. Breite Straßen, die an der Mauer im Nichts endeten. Auf der Strecke wenige Aussichtstürme aus Holz, um einen Blick nach drüben zu riskieren. Als dann 1989 die Mauer fiel, musste ich mich erst daran gewöhnen.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://kuhrau.de/geschichten/an-der-grenze-zu-einer-anderen-zeit/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Depression</title>
		<link>https://kuhrau.de/geschichten/depression/</link>
					<comments>https://kuhrau.de/geschichten/depression/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Sep 2022 09:28:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Depression]]></category>
		<category><![CDATA[Freitod]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.kuhrau.de/?p=8282</guid>

					<description><![CDATA[<div><img fetchpriority="high" width="1000" height="668" src="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372.jpg" class="wp-image-5606 avia-img-lazy-loading-not-5606 attachment-large size-large wp-post-image" alt="Hiddensee" style="margin-bottom: 15px;" decoding="async" srcset="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372.jpg 1000w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-400x267.jpg 400w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-200x134.jpg 200w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-300x200.jpg 300w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-768x513.jpg 768w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-705x471.jpg 705w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-58x39.jpg 58w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" title="Depression 5"></div>Anton hat Depressionen. Immer wieder, schon seit seiner Jugend. Heute schafft er es nicht zur Arbeit ins Büro. Es wird immer später, er kann sich nicht aufraffen und aufstehen. Anton bleibt einfach liegen, mit geschlossenen Augen. Sein Körper ist …]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div><img fetchpriority="high" width="1000" height="668" src="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372.jpg" class="wp-image-5606 avia-img-lazy-loading-not-5606 attachment-large size-large wp-post-image" alt="Hiddensee" style="margin-bottom: 15px;" decoding="async" srcset="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372.jpg 1000w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-400x267.jpg 400w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-200x134.jpg 200w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-300x200.jpg 300w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-768x513.jpg 768w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-705x471.jpg 705w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/d60_8643_20161109_1064388372-58x39.jpg 58w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" title="Depression 6"></div><p class="opener">Anton hat Depressionen. Immer wieder, schon seit seiner Jugend. Heute schafft er es nicht zur Arbeit ins Büro. Es wird immer später, er kann sich nicht aufraffen und aufstehen. Anton bleibt einfach liegen, mit geschlossenen Augen. Sein Körper ist wie gelähmt, dafür kreisen seine Gedanken schon Stunden wild umher. Anton macht sich Sorgen, seine Angstzustände werden stärker. „Schaffe ich alles?“, fragt er sich ständig. Und wie? Werde ich der Verantwortung, die ich trage, gerecht? Kümmere ich mich zu wenig um meine Familie, meine Freunde, in meinem Job? Fragen über Fragen, denkt Anton.</p>
<p>„Sie versuchen immer wieder, Probleme zu lösen, die es so vielleicht nie geben wird“, sagte seine Therapeutin vor einiger Zeit während einer Sitzung. Wovor sie bewusst Angst haben, passiert sehr wahrscheinlich nie. Über ungelegte Eier braucht man sich keine Sorgen zu machen. Wieder so ein „guter“ Tipp, mit dem Anton dennoch sehr wenig anfangen kann.</p>
<h3>Alltägliche Dinge werden immer schwerer</h3>
<p>Lebensmittel einkaufen, unter vielen Menschen sein, schafft er nur sehr mühsam. Anton bekommt Schweißausbrüche, wenn er nur daran denkt. Seit Neuestem lässt er sich die Lebensmittel nach Hause liefern.</p>
<p>Wie kantige Felsen lasten seine Gedanken auf seinen Schultern. Überlasten seinen Körper. Gestern ging der Anruf seines Sohnes ihm an die Nieren. Martin hatte ein Problem. Wie kann er ihm nur helfen? Anton sucht nach Wegen, nach Lösungen, und grübelt stundenlang. Sucht im Internet nach Möglichkeiten. Martin meinte: Mache dir keine Gedanken, umso mehr Gedanken macht er sich. Natürlich weiß er, dass Martin sein eigenes Leben hat. Als Vater, und auch als Freund, wie Martin oft sagt, muss er eigentlich nur zuhören. Nichts mehr. Und dann darf er seinen eigenen Tag leben. Aber das schafft er nicht. Wie klein bin ich doch.</p>
<p>Das Telefon klingelt. Er lässt es läuten. Bestimmt ist es seine Kollegin Isolde. Es war eine Besprechung geplant. Sie ist die Einzige auf der Arbeit, die versucht, auf ihn zuzugehen. Sich um ihn bemüht. Sein Kollege, am Schreibtisch gegenüber, ist überzeugt, dass es reicht, in jeder Situation die Pobacken zusammenzukneifen. Eine solche Leichtigkeit fehlt Anton.</p>
<h3>Alle duzen sich im Büro</h3>
<p>Scheinen immer so freundlich, so kollegial. Wie auf einen Maskenball, denkt Anton. Als Isolde neulich andeutete, was alles über ihn in der Kantine erzählt wird, und schlimmer, wie viele über ihn lachen, da wurde er vor Verletztheit ganz still. Mit einem Nicken verabschiedete er sich. Weglaufen ist seine Lösung.</p>
<p>„Ein Indianer kennt keinen Schmerz“, sagte sein Vater so oft. Ein Mann heult nicht. Nun grübelt er, und weiß keinen Weg. Immer wieder tief getroffen. Lange Jahre Therapie verpuffen im Nirwana. Fast alle Pillen hat er abgesetzt. Er wollte sich wieder selbst wahrnehmen. Und raus aus dem Nebel der Gefühle ohne Höhen und Tiefen. Das hat er jetzt davon.</p>
<p>„Ist doch nicht so schlimm“, wiegelt Manfred, sein Kumpel, ab, als Anton ihm vor einigen Tagen erzählte, dass es ihm gerade nicht so gut geht. „Denk doch einfach positiv, dann wird es schon wieder“, meinte Manfred, nur um danach von seinem Urlaub zu erzählen und wie toll doch alles war. Das Einfache ist unmöglich, für ihn.</p>
<p>Es klingelt wieder, dieses Mal an der Tür. Schon mittags. Alle Rollos sind unten, verdunkeln die Zimmer. Er hört den Schlüssel in der Wohnungstür. Martin setzt sich zu ihm ans Bett. Du, mich hat Isolde angerufen, da bin ich gleich hergekommen, sagt er nur. Martin ist anders, er sitzt einfach nur da. „Bei mir ist alles klar“, meint Martin zu seinen eigenen Schwierigkeiten. Er macht keinen Druck, keine Vorwürfe. Er macht auch kein Licht und keinen Kaffee. Aber er ist da. Anton bleibt stumm. Stunden später geht Martin wieder. Wenige Worte wurden gesprochen. Anton bleibt alleine, hat kaum gespürt, dass sein Sohn überhaupt da war. Anton fühlt sich, mit seinen eigenen Gedanken, wie so oft, alleine. Zu oft. Nicht einsam, nein, aber alleine.</p>
<h3>Ich bin alleine, in dieser Welt</h3>
<p>Dass das so nicht stimmt, begreift er nicht. Kann es nicht realisieren. Sich selbst in die Augen sehen, bis tief in die Seele, sich selbst nicht zu belügen, die Sinne wirklich zu öffnen, das ist für Anton unendlich schwer. Denn der Schmerz, die Traurigkeit, die Gefühle, würden Anton überwältigen. Er kann sein Leben nicht wahrnehmen, das Besondere, das Schöne. Er kann keine Kraft aus seinem Leben finden. Wie ein Riegel an einer schweren Tür schieben sich seine Depressionen davor. Da ist es leichter zu gehen.</p>
<p>Vor sechs Jahren kam sein Zusammenbruch, seine Ehe wurde geschieden, er kam in die Klinik. Er fand eine Therapeutin und gewann über Jahre mehr und mehr Vertrauen zu ihr. Die Therapie half ihm, wieder auf die Beine zu kommen. Aber er merkte auch, dass viele Angebote für ihn nicht passten, weil sie nicht individuell auf ihn abgestimmt waren. So mochte er Gruppenspaziergänge gar nicht, er lief gerne schnell und wurde immer wieder zurückgehalten, wenn er zu weit vorlief. Jeder Mensch ist anders, da helfen oft keine Standards. Abgestempelt als einer, der sich nicht anpassen kann.</p>
<p>In der Menge mit schwimmen, war noch nie seine Sache. Das hat ihn früher sehr gewurmt, wenn alles, weil es so schön einfach ist, über einen Kamm gezogen wird. Oder in Schubladen abgelegt wird, aus denen kein Entkommen ist. Mittlerweile kann ihn das nicht mehr ärgern.</p>
<p>Martin ist wieder zurück, zusammen mit Isolde. Er hört beide in der Küche leise reden. Anton geht ins Bad, duscht, zieht sich seinen Anzug an. Mechanisch öffnet er das Fenster und lässt sich fallen, aus dem siebten Stock.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Nachwort. Depressionen und der Freitod sind Tabuthemen unserer Zeit. Ich habe versucht, mich in einen frei erfundenen Menschen hineinzuversetzen. Es ist eine Geschichte, nichts anderes.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://kuhrau.de/geschichten/depression/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Totschweigen</title>
		<link>https://kuhrau.de/geschichten/totschweigen/</link>
					<comments>https://kuhrau.de/geschichten/totschweigen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Aug 2022 11:20:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Depression]]></category>
		<category><![CDATA[Probleme unserer Zeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.kuhrau.de/?p=8159</guid>

					<description><![CDATA[<div><img fetchpriority="high" width="1000" height="668" src="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858.jpg" class="wp-image-6459 avia-img-lazy-loading-not-6459 attachment-large size-large wp-post-image" alt="Usedom" style="margin-bottom: 15px;" decoding="async" srcset="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858.jpg 1000w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-400x267.jpg 400w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-200x134.jpg 200w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-300x200.jpg 300w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-768x513.jpg 768w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-705x471.jpg 705w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-58x39.jpg 58w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" title="Totschweigen 7"></div>Unser Viertel wurde im Krieg nur wenig zerstört. Ich bin alleine zu Hause. Mutter ist mit ihren alten Schuhen im Einkaufsnetz los zum Schuster. Die müssen mal wieder neu besohlt werden. Komisch nur, dass sie so spät am Nachmittag, kurz vor …]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div><img fetchpriority="high" width="1000" height="668" src="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858.jpg" class="wp-image-6459 avia-img-lazy-loading-not-6459 attachment-large size-large wp-post-image" alt="Usedom" style="margin-bottom: 15px;" decoding="async" srcset="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858.jpg 1000w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-400x267.jpg 400w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-200x134.jpg 200w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-300x200.jpg 300w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-768x513.jpg 768w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-705x471.jpg 705w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/600_9232_10_24_2017_20171030_1287572858-58x39.jpg 58w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" title="Totschweigen 8"></div><p class="opener">Unser Viertel wurde im Krieg nur wenig zerstört. Ich bin alleine zu Hause. Mutter ist mit ihren alten Schuhen im Einkaufsnetz los zum Schuster. Die müssen mal wieder neu besohlt werden. Komisch nur, dass sie so spät am Nachmittag, kurz vor Feierabend, aufgebrochen ist. Wo Mutter wohl bleibt? Die alte Uhr im Wohnzimmer zeigt jetzt schon kurz vor neun. Warum hat Mutter sich den Lippenstift aufgelegt?</p>
<p>Vater kam nicht zurück. Ist im Krieg geblieben, sagt Großmutter nur. Auch mein Großvater und mein Onkel sind bisher nicht zurück. Vom Onkel kam ein kurzer, trauriger Brief aus seiner Kriegsgefangenschaft.</p>
<p>Gestern kam Großmutter zu uns, mit einem Beutel Kartoffeln. Zusammen mit meinem Onkel. Seit Langem kochte Mutter wieder Pellkartoffeln. Das rechte Bein meines Onkels ist steif. Sein Gesicht schimmert grau, seine Hosen schlackern lose um seine dürren Knochen. Alt sieht er aus, mit 25 wirkt er wie über 50. Über seine Kriegserlebnisse schweigt er, gestern, heute und auch morgen. Jeden Tag dunkles Schweigen. Totschweigen. Scheint wohl richtig zu sein.</p>
<p>Dass mein Onkel homosexuell war, haben wir auch erst nach seinem plötzlichen Ableben zufällig erfahren. Nicht etwa, dass jemand darüber geredet hätte.</p>
<p>Umzug. Heute sind Mutter und ich beim Schuster in sein Haus eingezogen. „Keine Diskussion“, meinte Mutter ein paar Tage vor ihrer Hochzeit.</p>
<p>Zu meinem Geburtstag hat mein Stiefvater mir ein Kleid geschenkt. Ich weiß gar nicht, warum ich mich darüber nicht so richtig freuen kann. Wenn er und ich alleine zu Hause sind, fordert er mich auf, das Kleid anzuziehen. Ich schlafe jetzt öfter bei meiner Freundin.</p>
<p>Eklig. Ich kann gar nicht aufhören zu weinen. Letzte Nacht kam er einfach in mein Zimmer geschlichen. Er hat mir verboten, etwas zu sagen. Du machst sonst alles kaputt, daran hast du dann Schuld. Du bist doch selbst schuld, wie du immer herumläufst.</p>
<p>„Wie war dein Tag?“, fragt Mutter. Alles gut, lüge ich. Mutter ahnt nichts. Weiß nichts. Jeden Mittag kommt ein warmes Essen auf den Tisch, sonntags mit Fleisch. Ich hasse ihn.</p>
<p>Keiner wird mir glauben.</p>
<p>Es ist einfacher, einer Unwahrheit zu glauben. Der immer witzige Schuster. Das kann doch nicht sein. Meine beste Freundin hat nur ihren neuen Freund im Kopf. Mutter hat keine Zeit. Meine Halbschwester ist immer die kleine Süße. Ich bin alleine mit all dem. Schweigen scheint wohl das Beste zu sein, in meiner unendlichen Scham.</p>
<p>Ich habe mein Abi geschafft. In ein paar Tagen ziehe ich endlich aus.</p>
<p>Der Schuster ist tot. Auf seiner Beerdigung waren alle sehr traurig. Ein so lebenslustiger, herzensguter Mensch wird uns fehlen, sagten alle. Keiner hat ihn wirklich gekannt, so wie ich sein wahres Gesicht gesehen habe. Er versteckte sich immer hinter seiner Fassade. Ich werde schweigen, auch mein Freund. Ob ich ihn liebe, weiß ich nicht, aber er ist sympathisch, wird mein Geheimnis nie erfahren. Ich habe keine Worte dafür. Vielleicht, hoffentlich vergesse ich alles einmal.</p>
<p>Den zweiten Mann meiner Oma habe ich nie kennengelernt, ich weiß nur, dass er Schuster war. Wie tief das Trauma von Mama ist, kann ich nicht im Entferntesten erahnen. Mit ihrem Älterwerden wiegt es immer schwerer. Ich würde mir so sehr wünschen, dass sie darüber redet. Wenigstens fängt sie an, zu erzählen. Papa, den Mama seit ihrer Jugend von zu Hause kennt, mit dem sie als ganz junge Frau weggezogen ist, weiß nichts. Sie hat nie etwas gesagt, nicht mal angedeutet, meint Papa kopfschüttelnd. Alle anderen, die etwas wissen könnten, sind tot. Die im Schweigen meiner Mama gehüllte Stimmung drückt schon immer auch auf meine Seele. Es ist so schön und doch so schwer, nach Hause zu kommen. Mein Liebster und ich können es nur anders machen. Nur anders leben.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://kuhrau.de/geschichten/totschweigen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Von Katzen und Menschen</title>
		<link>https://kuhrau.de/geschichten/von-katzen-und-menschen/</link>
					<comments>https://kuhrau.de/geschichten/von-katzen-und-menschen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Jun 2022 08:50:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Hunde]]></category>
		<category><![CDATA[Katzen]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.kuhrau.de/?p=7893</guid>

					<description><![CDATA[<div><img fetchpriority="high" width="1000" height="668" src="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/06/2016-11-26-08.29.51.jpg" class="wp-image-7896 avia-img-lazy-loading-not-7896 attachment-large size-large wp-post-image" alt="Kater Socke" style="margin-bottom: 15px;" decoding="async" srcset="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/06/2016-11-26-08.29.51.jpg 1000w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/06/2016-11-26-08.29.51-400x267.jpg 400w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/06/2016-11-26-08.29.51-80x53.jpg 80w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/06/2016-11-26-08.29.51-300x200.jpg 300w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/06/2016-11-26-08.29.51-768x513.jpg 768w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/06/2016-11-26-08.29.51-705x471.jpg 705w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/06/2016-11-26-08.29.51-58x39.jpg 58w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" title="Von Katzen und Menschen 9"></div>Kater Mohrle ist die erste Katze, an die ich mich erinnern kann. Eigentlich kann ich mich gar nicht mehr wirklich entsinnen, ich kenne ihn nur vom Hörensagen, ich war noch zu klein, aber später wurde er immer mal wieder erwähnt. Mohrle war ein …]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div><img fetchpriority="high" width="1000" height="668" src="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/06/2016-11-26-08.29.51.jpg" class="wp-image-7896 avia-img-lazy-loading-not-7896 attachment-large size-large wp-post-image" alt="Kater Socke" style="margin-bottom: 15px;" decoding="async" srcset="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/06/2016-11-26-08.29.51.jpg 1000w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/06/2016-11-26-08.29.51-400x267.jpg 400w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/06/2016-11-26-08.29.51-80x53.jpg 80w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/06/2016-11-26-08.29.51-300x200.jpg 300w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/06/2016-11-26-08.29.51-768x513.jpg 768w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/06/2016-11-26-08.29.51-705x471.jpg 705w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/06/2016-11-26-08.29.51-58x39.jpg 58w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" title="Von Katzen und Menschen 10"></div><p class="opener">Kater Mohrle ist die erste Katze, an die ich mich erinnern kann. Eigentlich kann ich mich gar nicht mehr wirklich entsinnen, ich kenne ihn nur vom Hörensagen, ich war noch zu klein, aber später wurde er immer mal wieder erwähnt. Mohrle war ein schwarzer Kater und ein Liebling meines Vaters. Aus gesicherter Quelle habe ich erfahren, dass Mohrle ungefähr 1966 starb und 19 Jahre alt wurde.</p>
<p>Kater Cäsar kam später in die Familie meiner Kindheit. Er war grau getigert. Gerne saß er auf den ausgestreckten Beinen meines Vaters. Eines Mannes, der seine Aggressivität selten wirklich im Griff hatte, geprägt von Krieg, Armamputation, Vertreibung und Alkoholsucht. Cäsar hatte vielleicht das Vertrauen, dass ihm nichts passiert. Und vielleicht brachte er meinem Vater für einen Moment etwas Frieden. Jedenfalls waren mein Vater und Cäsar seelenverwandt. Cäsar raufte sich mitunter, sodass er einen Teil seines Ohrs und später ein Auge einbüßte. Nach dem Tod meines Vaters verschwand Cäsar spurlos.</p>
<p>Hunde mag ich auch. Wenn die Scheißerei nicht wäre. Ich habe mein Hundekotkindheitstrauma daher, dass ich die Hinterlassenschaften vom schwarzen Mischling Trixi, angekettet im Garten vor dem Küchenfenster, aufsammeln musste. Ich weiß nicht, wie ein Vater auf solche Ideen kommen kann. Trixi wurde, Gott sei Dank, nach ein paar Wochen wieder abgegeben. Hunde sind anders, viel mehr auf Menschen fixiert als Katzen. Ihr Fressen teilen sie sich weniger ein, dafür kann Mensch sie gut abrichten. Wie es ihm gefällt. Das geht mit Katzen nie.</p>
<p>Zurück zu den Katzentieren. Eine Freundin hatte drei Katzen. Verspielt tobten sie über die abgezogenen Dielen durch ihre Altbauwohnung in der Nähe vom Winterfeldtplatz. Wollknäuels und Bällchen – alles, was rollen konnte, wurde gejagt. Frisch geduscht setzte sie sich zu uns auf den Boden. Einfach, faszinierend, natürlich, wie ihre Katzen. Einmal zog sie mit ihren Katzen aus Berlin weg, der Kontakt verlor sich für eine Zeit.</p>
<p>Der schwarz-weiße, große Kater Paul wohnte beim Vermieter im Geschäft. Wenn wir die Miete am Monatsende bar bezahlten, lag er oft im Büro. Gerne stromerte er auch durch das Haus und besuchte die Mieter.</p>
<p>Als die Jungs noch klein waren, kam uns gelegentlich eine Bekannte und ihre Katze besuchen. Die Katze, vor Zeiten ausgesetzt, hatte die Bekannte gefunden und aufgepäppelt und konnte nicht alleine bleiben. So reiste sie im Rucksack überall hin mit. Einmal setzte sich das für die Jungs fremde Kätzchen bei uns auf die Treppe zu den Kinderzimmern, und die Kinder, so etwas gar nicht gewöhnt, trauten sich nicht vorbei.</p>
<p>Nachdem meine Ex-Frau und ich mit den beiden Pflegekindern ins Haus eingezogen und angekommen waren, entschlossen wir uns, einen Kater mit aufzunehmen. In einer Katzenpflegestelle im Osten von Brandenburg erfuhren wir vom grau-getigerten Kater Franzi. Als junges Kätzchen war er gefunden und aufgepäppelt worden. Wir fuhren mit dem Auto los, um ihn abzuholen, zahlten einen Obolus und machten uns auf den Heimweg. Der ängstliche Kater im Katzenkorb auf dem Schoß des größeren, stolzen Jungen.</p>
<p>Zu Hause versteckte sich Franzi erst mal unter dem Büfett, bis er einige Stunden später vorsichtig auftauchte. Die ersten Wochen war er nur im Haus, später aber bekam er einen Katzenweg über das Garagendach gebaut, um alleine rein und herauszukommen.</p>
<p>Die Jungen liebten den Kater besonders. Zusammen mit ihm wurden sie älter. Franzi blieb immer etwas kratzbürstig, aber er schmuste auch gerne. Wenn ich mit den Kindern einen Film ansehen wollte, kam Franzi oft dazu, stupste mich mit seiner Pfote an, weil er genau wusste, dass ich ein paar Leckereien für ihn hatte. Das gehörte für die Jungs genauso zu dem wöchentlichen Kinotag, wie ein schöner Film und der Stullenteller.</p>
<p>Kater Franzi war für die Kinder essenziell. Sie sagte nie „Du musst“, sie schimpfte niemals, bewertete nie und forderte nichts. Sie war einfach nur da. Katzen sind selbstständig und machen ihr Ding. Wenn sie kuscheln wollen, wollen sie es, wenn nicht, dann nicht. Sie passen sich nicht an, wollen nicht gefallen. Dennoch muss man lernen, sich um sie zu kümmern, ihnen ihren Fressnapf zu füllen und das Katzenklo sauber zu halten. Im hohen Katzenalter musste Franzi altersschwach eingeschläfert werden.</p>
<p>Jetzt lebe ich zusammen mit meiner Liebsten, ihrer Tochter, Kater Socke und Katze Karo. Als junge Katzen kamen die beiden Maine-Coon-Ragdoll-Katzen in die Familie. Karo ist grau, Socke fast weiß und hellgrau mit blauen Augen – die Steine erweichen können – und grauem Köpfchen.</p>
<p>Meine Liebste wünschte sich immer eine graue Katze. Als die Nachbarn ihre jungen Katzenbabys abgeben mussten, war es Karo, die ausgesucht werden wollte. Socke war alleine übrig. Kurz entschlossen, zogen die beiden wunderschönen Katzen zusammen ein.</p>
<p>Karo ist eine mutige Katze. Sie ist neugierig und angstfrei. Karo liegt am Gartenzaun, allerdings knurrt ein Hund sie an, aber Karo verzieht keine Miene, bis der Hund sich vor Langeweile verzieht.</p>
<p>Kater Socke ist eher ängstlich und scheu, laute Stimmen von Besuch mag er gar nicht, dann versteckt er sich lieber. Beide Katzen haben sich ihre Lieblingsmenschinnen ausgesucht. Karo fliegt auf die Tochter meiner Liebsten, für Socke ist es meine Liebste. Es passiert, dass Karo laut miauend die Treppe herunterrennt, wenn ihre Lieblingsmenschin nach Hause kommt. Sofort wird erst mal ausgiebig gekuschelt und geschnurrt.</p>
<p>Meine Liebste aber ist die Wichtigste für die beiden Katzen. Nicht selten, wie eine kleine Herde, weichen die beiden ihr nicht von der Seite. Sie ist die, die für die Katzen sorgt. Das danken die beiden Katzen, indem sie sie begleiten. Erwischt Karo im Garten eine Maus, präsentiert sie diese stolz meiner Liebsten, die die Maus daraufhin erlösen darf.</p>
<p>Im Haus apportiert Karo Radiergummis und Schminkwattebällchen, die sie aufspürt, und Korkkorken, die wir für Karo am üblichen Platz bereitlegen. Socke ist eher weniger verspielt, den Tag über ausschlafen ist seine Stärke.</p>
<p>Beide Katzen wissen ganz genau, wo im Schrank die Duftkissen liegen, und zeigen deutlich Bescheid, wenn sie Lust darauf haben. Überhaupt: Wenn Katzen etwas wollen, dann sagen sie das. Wenn Socke gestreichelt werden möchte, miaut er laut und schmeißt sich mit etwas Abstand vor einen hin. Wenn Karo in den Garten möchte, springt sie notfalls über einen liegenden Menschen hinüber oder liegt auf der Lauer, um die erste an der Tür zu sein. Sie ist aber ungern alleine im Garten. Wenn sie einen nicht sieht oder hört oder riecht, sucht sie miauend oder wartet an der Haustür.</p>
<p>Socke und Karo sind sich bewusst, dass sie die Chefs sind. Um uns zu sein, mit uns zu kuscheln, sich streicheln zu lassen, ein wenig aufzupassen, uns Bescheid zu sagen, wenn sie Hunger haben, und uns glücklich zu machen, sind sie nicht nur dafür da.</p>
<p>Wenn wir einige Tage vereist waren und wieder nach Hause kommen, freut sich Karo besonders. Socke kommt kurz schauen, dann geht er auf Abstand, bis er, erst einige Zeit später, schnurrend ankommt.</p>
<p>Den beiden Katzen fehlt jegliche Aggressivität. Vom Charakter sind sie niemals kratzbürstig, Krallen zeigen sie nur im Spiel oder wenn sie wirklich bedroht werden. Socke ist sehr kräftig, kann super springen, daher darf er nicht in den Garten, weil er bei Panik unberechenbar weglaufen würde, was auch leider schon einmal nachts geschehen ist und er das fast mit seinem Leben bezahlt hätte.</p>
<p>Karo kann weniger gut springen. Möchte Karo auf die Kommode sitzen, miaut sie mich kurz an und ich hebe sie hoch. Vor einigen Jahren wurde bei ihr eine Herzerkrankung diagnostiziert. Seitdem bekommt und nimmt sie brav ihre Pillen, nur schwächer dosiert als die für herzkranke Menschen.</p>
<p>Socke ist nicht unbedingt der schlauste Kater, aber er schaut sich vieles von dem ab, was Karo ihm vormacht. Wenn sich Karo einen neuen Lieblingsplatz zum Schlafen ausgesucht hat, ist es sicher, dass sich Socke auch bald dahinlegen wird. Karo kommt beim Frühstück mit zum Tisch, Socke kommt auch, wenn gleichsam vorsichtig und nicht so oft. Brathähnchen zum Abendessen mag Karo am liebsten.</p>
<p>Natürlich sprechen wir mit den Katzen. Wir wissen, das Wunder, dass sie reden wie wir, geschieht nie, aber in ihrer Katzensprache antworten sie. Wenn sie es wollen.</p>
<p>Wir sind eine Familie, sind traurig und voller Sorgen, wenn sie krank ist, und voller Freude, wenn sie sich schließlich wieder erholt. Wir kümmern uns und sind uns unserer Verantwortung bewusst, und des Geschenks, dass die beiden einmaligen, unersetzlichen Katzen mit uns zusammenleben.</p>
<p>Jede Katze, jedes Tier, hat seinen einzigartigen Charakter. Wir Menschen müssen nur lernen, uns darauf einzulassen, uns nicht „größer zu machen“ und das Tier einfach anzunehmen. So können wir Menschen sehr viel lernen.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://kuhrau.de/geschichten/von-katzen-und-menschen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Wunder von Deutschland</title>
		<link>https://kuhrau.de/geschichten/das-wunder-von-deutschland/</link>
					<comments>https://kuhrau.de/geschichten/das-wunder-von-deutschland/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Apr 2022 10:40:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Utopie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.kuhrau.de/?p=3879</guid>

					<description><![CDATA[<div><img fetchpriority="high" width="1000" height="667" src="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/ilce-6500_00642_2018_05_11_20180514_1131908508.jpg" class="wp-image-7421 avia-img-lazy-loading-not-7421 attachment-large size-large wp-post-image" alt="Thüringen" style="margin-bottom: 15px;" decoding="async" srcset="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/ilce-6500_00642_2018_05_11_20180514_1131908508.jpg 1000w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/ilce-6500_00642_2018_05_11_20180514_1131908508-400x267.jpg 400w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/ilce-6500_00642_2018_05_11_20180514_1131908508-200x133.jpg 200w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/ilce-6500_00642_2018_05_11_20180514_1131908508-300x200.jpg 300w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/ilce-6500_00642_2018_05_11_20180514_1131908508-768x512.jpg 768w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/ilce-6500_00642_2018_05_11_20180514_1131908508-705x470.jpg 705w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/ilce-6500_00642_2018_05_11_20180514_1131908508-58x39.jpg 58w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" title="Das Wunder von Deutschland 11"></div>S., der Vorsitzende einer großen Partei in Bayern, trifft sich mit Vertretern eines führenden Energieunternehmens zum Arbeitsessen. Auf der Speisekarte steht Weißwurst. Mit dabei sind der Pressesprecher des Unternehmens und eine Managerin eines …]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div><img fetchpriority="high" width="1000" height="667" src="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/ilce-6500_00642_2018_05_11_20180514_1131908508.jpg" class="wp-image-7421 avia-img-lazy-loading-not-7421 attachment-large size-large wp-post-image" alt="Thüringen" style="margin-bottom: 15px;" decoding="async" srcset="https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/ilce-6500_00642_2018_05_11_20180514_1131908508.jpg 1000w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/ilce-6500_00642_2018_05_11_20180514_1131908508-400x267.jpg 400w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/ilce-6500_00642_2018_05_11_20180514_1131908508-200x133.jpg 200w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/ilce-6500_00642_2018_05_11_20180514_1131908508-300x200.jpg 300w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/ilce-6500_00642_2018_05_11_20180514_1131908508-768x512.jpg 768w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/ilce-6500_00642_2018_05_11_20180514_1131908508-705x470.jpg 705w, https://kuhrau.de/wp-content/uploads/2022/05/ilce-6500_00642_2018_05_11_20180514_1131908508-58x39.jpg 58w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" title="Das Wunder von Deutschland 12"></div>
<p class="wp-block-paragraph" class="opener">S., der Vorsitzende einer großen Partei in Bayern, trifft sich mit Vertretern eines führenden Energieunternehmens zum Arbeitsessen. Auf der Speisekarte steht Weißwurst. Mit dabei sind der Pressesprecher des Unternehmens und eine Managerin eines Chemiekonzerns. Alle sind in guter Hoffnung auf wunderbare Geschäfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Zurzeit steigen die Ölpreise massiv. Wir brauchen Alternativen zur Energieversorgung. Und wir brauchen Unabhängigkeit vom Öl, von einzelnen Ländern, von Kartellen, die die Preise diktieren. Wir brauchen neue Wege, wie wir den Energiebedarf der Industrie decken können. Nur das sichert das Wachstum im Land, nur das sichert den Wohlstand. Hier unser Vorschlag: Lassen Sie uns ergebnisoffen prüfen, in welchen Regionen wir Erdgas aus undurchlässigem Gestein lösen könnten. Andere Länder zeigen doch, wie Fracking dazu beiträgt, mit dem gewonnenen Gas unabhängiger von Erdöl zu werden …“, so ein solcher Vertreter des Unternehmens.</p>





<p class="wp-block-paragraph">Der Pressesprecher twittert sofort, dass bei Gesprächen mit dem Vorsitzenden der großen bayerischen Volkspartei beschlossen wurde, Fracking in Deutschland ergebnisoffen zu prüfen. Schon am selben Tag wird in den 20-Uhr-Nachrichten diese Neuigkeit verbreitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ergebnis des Gespräches bei Weißwurst war aber ein ganz anderes. So völlig missverstanden ging ein Ruck durch den Vorsitzenden, und schließlich durch seine Partei. Dies war der Beginn eines fundamentalen Umdenkens in Deutschland. Der Ökologisierung. Der Start einer gesellschaftlichen Revolution.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Regierung hat die große Volkspartei, in der Großen Koalition, in kürzester Zeit viele neue Gesetze beschlossen. Erst schien es, dass es immense Widerstände in der Bevölkerung und der Industrie geben würde, aber diese Widerstände wurden eher hochgespielt, von einzelnen Gruppen und Lobbyisten, die ihre Macht, ihre Gewinne in Gefahr sahen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wir können nicht mehr auf Kosten der Zukunft leben, auf Kosten der Natur, auf Kosten der Menschen, die nach uns leben werden</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Leitgedanke, der mit absoluter Mehrheit ins Grundgesetz aufgenommen wurde, ist die Basis des Kreislaufgesetzes. Im Volksmund auch Weißwurstgesetz genannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es geht in der Wirtschaft nicht mehr um Wachstum, sondern darum, wie gut der Kreislaufgedanke umgesetzt wird. Das allein zählt. Recycling ist der neue Volkssport. Wir werfen nichts mehr weg! Wer am besten recycelt, wer dabei am wenigsten Energie einsetzt, die einfach nur verpufft, oder schlimmer, die Umwelt verschmutzt, der gewinnt die meiste Anerkennung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Kreislaufgesetz muss jedes neue Vorhaben von einer Kommission geprüft werden. Fracking zerstört den Boden und die Gesteinsschichten und belastet die Wasserqualität des Grundwassers. Durchgefallen. Der Preis ist zu hoch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir in Deutschland sind Vorreiter mit dem Kreislaufgesetz. Natürlich können wir das alte System nicht von heute auf morgen ändern. Aber wir sind auf dem besten Weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es werden immer mehr Geschäfte und Supermärkte, die nach dem Kreislaufgesetz funktionieren. ReWe hat auf der letzten Vorstandssitzung beschlossen, mehr Märkte unter dem Label OeKo zu führen. In den Geschäften, unter diesen Namen, gibt es kaum noch Verpackung aus Kunststoff. Der Anteil liegt zurzeit bei 5 %, weiter sinkend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die allermeisten Lebensmittel, die in den deutschen Handel kommen, werden in Deutschland angebaut. Vieles kommt aus der Region. Zum Transport bringen die Kunden die Behälter mit, oder sie leihen sich diese. Zwar ist die Vielfalt des Angebotes stark gesunken, dafür ist die Qualität aber weit besser geworden. „Die Tomaten schmecken wieder wie früher“, sagt meine Oma.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die mit hohem Aufwand hergestellten Fertigprodukte verschwinden aus den Regalen. Denn kaum einer kauft diese ohnehin noch, außer die ewig Gestrigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Eigentumsfragen waren mit am schwersten zu regeln. Ziel war es, diese Fragen gerecht zu klären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentum an Natur wurde komplett abgeschafft. So wie auch Menschen kein Eigentum sein können, die Sklaverei gibt es seit Jahrhunderten nicht mehr, so gibt es keinen Besitz mehr von Land und Tieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber natürlich müssen Menschen sich um die Natur kümmern. Dazu können sie Naturpate werden. Bisherige Eigentümer wurden das automatisch. Die Naturpatenschaft kann vererbt werden, um eine lange Kontinuität zu gewährleisten. Das Naturpatengesetz regelt die Grundlagen, auch die Gründe, aus denen Menschen die Patenschaft verlieren können. Verantwortung für die Natur, die Umwelt zu übernehmen, ist die wesentliche Voraussetzung, um Naturpate zu sein, zu bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um der Natur eine wirkliche Stimme zu geben, ist ein komplett neuer Beruf entstanden. Natursprecher vertreten die Natur. Natursprecher und Naturpaten arbeiten Hand in Hand, stimmen sich ab und entscheiden demokratisch. Naturrichter entscheiden in Konfliktfällen, wobei die Natursprecher als Anwälte der Natur auftreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besitz an Dingen regelt sich nach dem gleichen Prinzip. Das Dingepatentgesetz bestimmt das genauer. Wir übernehmen Verantwortung für alles, was wir nutzen. Das kann gemeinsam eine Gruppe sein, oder auch einzelne Personen. Wenn wir für etwas sorgen, dann leitet sich daraus das Recht ab, es auch nutzen zu dürfen. Immer im Einklang mit den Grundgedanken, die das Kreislaufgesetz vorgibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fürsprecher und Paten übernehmen die Aufsicht darüber, ob Regeln eingehalten oder verletzt werden. Im Prinzip funktioniert das System wie eine Familie, in der die Eltern Verantwortung für die Kinder übernehmen und sie mit Liebe umsorgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Upcycling, Ausgedientes für neue Funktionen umzugestalten und weiter zu verwenden, ist eine weitere Idee, die unter anderem mit dem Wiederverwertungsgesetz umgesetzt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die traditionelle Autoindustrie ist in Deutschland komplett zusammengebrochen. Das Entschleunigungsgesetz führte dazu, dass der Absatz stark sank. Wachstum, schneller und mehr, war bisher das Motto, der gesellschaftliche Wert. Langsam, aber dafür richtig, eher weniger, aber dafür ökologisch, ist das neue „Mehr“, das gesellschaftliche Ziel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Menschen, die Arbeiter, was ist mit denen? Wir können fast alles reparieren. Dafür benötigen wir Menschen, dafür brauchen wir alle. Wo früher der VW Golf vom Band lief, reparieren wir heute. Volkswagen, vormals Volkswagen, in Wolfsburg ist in Deutschland führend bei der Entwicklung von Technologien des Recyclings. Porsche und BMW bauen hochmoderne Generatoren für Windräder. Mercedes startet das Projekt Wiederverwertung im großen Umfang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neue Industrie entsteht. Viel kleiner, viel lokaler. Manches fast Vergessene ist wieder modern. Bekleidung kommt seit Neuestem mehr und mehr aus Deutschland, Glasbläsereien boomen, die Metallverarbeitung an Flüssen ist neu am Entstehen, weil es dort Energie im Überfluss gibt. Das Handwerksgesetz regelt die Rahmenbedingungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Deutschland ermitteln wir nicht mehr die Erwerbslosigkeit. Jeder, der will, jeder, der kann, hat Arbeit. Aber keiner muss. Dafür gibt es das Versorgungsgesetz. Jeder Mensch ist von Geburt an versorgt. Weil das Leben an sich den Wert darstellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Versorgung ist an keine Bedingungen geknüpft. Wer arbeitet, bekommt dafür kein Geld, kein Gehalt. So wie früher auch keine Mutter, keine Frau, für ihre Arbeit in der Familie zu Hause, bezahlt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das heißt eben nicht, dass keiner mehr arbeiten geht. Gewerkschaften gibt es weiterhin. Sie setzen sich in der Hauptsache für die gesellschaftliche Wertschätzung ein. Denn die soziale Anerkennung bekommen die Menschen nicht dadurch, was sie machen. Sondern allein dadurch, dass sie leben und sie etwas tun, das für andere Menschen gut ist oder das ökologisch nachhaltig ist und dem Kreislaufgedanken entspricht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Finanziert wird das Leben der Menschen über Steuern der Betriebe, transparent geregelt im Finanzgesetz. Steuern für das Leben der Menschen. Wobei das Finanzsystem viel mehr als ein Tauschsystem zu verstehen ist als vor der Ökowende.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wichtig in der Gesellschaft sind die Förderung der Kreativität und der Bildung. Kunst und Musik werden als wertvolles Kulturgut unterstützt. Wer gerne bunte Bilder malt, der darf das. Der wird dafür wertgeschätzt. Wer gerne in der Sonne sitzt, liest, in die Welt schaut, der darf das. Denn wer weiß schon, was daraus wird, welche kreativen Ideen so geboren werden? Und wenn nicht? Dann vielleicht viel später, durch seine Kinder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Leben ist ein Prozess des Werdens und Vergehens. Menschen dürfen Fehler machen. Kein Mensch wird an den Pranger gestellt, bloßgestellt. Seelische Gesundheit entwickelt sich nicht unter Druck. Bedrohungen des Lebens oder der Gesundheit, egal ob durch Menschen oder die Natur, stehen unter Strafe. Aber die Strafen bedeuten immer, dass Menschen, geschult werden, pädagogisch und psychologisch betreut und begleitet werden. Keiner wird mehr eingesperrt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir Menschen können uns nur frei freiwillig entscheiden. Aber auch dies ist oft ein steiniger Weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am wichtigsten ist die Gesundheit des Menschen, der Seele, als Teil der Natur. Und das Leben. Im Jetzt. Jetzt und in der Zukunft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das System funktioniert super in Deutschland, die Menschen übernehmen Verantwortung. Weit mehr als früher in der Ellenbogengesellschaft. Die Menschen sind zufrieden, sind glücklich. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur leider ist das kein Wille eines Vorsitzenden einer großen bayerischen Volkspartei. Als S. aus seinem Traum aufwachte, war er verwundert und erstaunt über seine utopischen Ideen.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://kuhrau.de/geschichten/das-wunder-von-deutschland/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
